Donnerstag, 2. Juli 2009

12 Salisbury - Oxford - Stratford-Upon-Avon

Auch heute haben wir wieder ein straffes Programm vor der Brust und wollen den Zug um 08.44 nach Basingstoke nehmen, über den es einen Anschluss nach Oxford gibt. Im Hostel haben wir überraschend sehr gut genächtigt, so dass wir uns lieber eine halbe Stunde länger in den Laken räkeln und das breakfast einfach sausen lassen. Trotzdem beschließe ich (Y) nach meinem morgentlichen Toilettengang, dass meine Jugendherbergszeit definitiv vorbei ist: Irgendwie greift der Untergrund nicht so richtig und gut 1ne Minute zu spät sehe ich, dass der komplette Boden vollgekotzt ist. Lecker. Ich versuche meinen Würgereiz unter Kontrolle zu halten und stolziere ohne Schuhe - von denen hab ich mich gerade spontan verabschiedet, zurück ins Zimmer. Ein Taxi zum Bahnhof ist in etwa genau so teuer, wie das Geöddel mit dem Bus, also gönnen wir uns einen gesprächigen Chauffeur, der sogar mal in Münster und Hannover stationiert war. "Wenn Salisbury Euch schon von der Größe her überrascht hat", gibt er uns noch mit auf den Weg, "dann wartet erst einmal Oxford ab. Oxford is so way bigger." Diesen Eindruck teilen wir, als wir am Bahnhof aussteigen und unser Gepäck beim nahegelegenden Backpacker Hostel einquartieren, das übrigens auch keine Weiterempfehlung verdient.

Oxford, DIE Elite-Universitätsstadt, zeigt sich zunächst von einer viel urbaneren Seite als angenommen. Shops, Tourismus, Verkehr, Food- und Coffee-Ketten wohin das Auge reicht. Ja, so langsam kehren wir zurück in die Zivilisation. Hier gibt es sogar ein großes Jamie Oliver Restaurant! Als wir uns dem Stadt- und Uni-Zentrum nähern, schießen dann die Parade-Bauten englischer Gotik aus dem Boden. Wow, darin findet der Lernbetrieb statt? Davon wollen wir uns selbst ein Bild machen und suchen uns mit dem Christ Church College das wohl bekannteste der hiesigen Colleges für eine Besichtigung aus. Lewis Caroll, der Mathematiker und Autor von "Alice im Wunderland", ist wohl der populärste Absolvent dieser Fakultät. An manchen Stellen findet man nicht nur kleinere Bezüge zu seinem Meisterwerk, laut Guide sollen die Hauptcharaktere aus "Alice im Wunderland" Personen aus seinem damaligen Uni-Umfeld gewesen sein. Geschrieben hat er die Geschichte für die beiden Töchter des damaliegen Kanzlers der Uni, dieser widerum wird durch das hektische Kaninchen verkörpert. Ich (Y) freue mich darauf, meine Erinnerungen ein wenig aufzufrischen, denn ich war vor 20 Jahren (!) das letzte Mal hier und irgendwie ist es auch schade, dass ich nicht zumindest mal für ein Unijahr Nach Oxford oder Cambridge gegangen bin. Heute gibt es jedoch noch einen anderen Beweggrund unserer Besichtigung: Einige Szenen aus Harry Potter wurden hier gedreht.

Als wir den Treppenaufgang hochsteigen, fühlt sich Yvonne bereits wie in Hogwarts. Diese Treppen kommen auch vor und zwar in Teil 1, kurz vor dem Einzug in die große Halle. Und das ist dann auch das Highlight des Rundgangs: tatsächlich, sieht genauso aus, wie in den Potter-Filmen. Naja, eine Tischreihe fehlt und auch sonst wurde die Halle ganz schön digital vergrößert, aber die Atmosphäre stimmt und überraschenderweise werden in diesem musealen Prunksaal auch heute noch dreimal täglich die Mahlzeiten von den circa 500 eingeschriebenen Studenten und Lehrkräfte des Christ Church College eingenommen. Die Höhe des Raumes ist nicht nur beeindrucken, sie wurde auch noch vollständig ausgenutzt, um mit Gemälden ehemaliger Leiter und Mitglieder geschmückt zu werden, netterweise hängen dabei uralte Schinken wie das Portrait von Elisabeth I mit Rüschenhalskrause neben richtig zeitgenössischen Portraits aus den letzten Jahrzehnten. Nein, ich will hier gar nicht weg..., aber wir müssen, ständig drängen Besucher nach und deren Geplapper macht deutlich, dass das Christ Church Collgege durch den Zauberschüler ordentlich an Besuchern gewonnen hat. Noch ein Blick auf die tollen Glasfenster, im Stil von Kirchenfenstern, aber z.B. mit Alice-im-Wunderland Motiven versehen, und weiter geht es in die collegeeigene Kathedrale, in der wir trotz allgemeinem Fotoverbot wieder einmal mit der Kamera draufhalten (Paparazzi-Training). Ins Auge sticht sofort das Grabmals eines Ritters aus dem Mittelalter, der bereits 2 Meter groß war. Was für ein Riese! Die Bücherei wird leider aktuell renoviert und nachdem wir über die Richtigkeit der Sonnenuhr dieser Institution rätseln (ich -Y-vermute, wir sind nur zu blöd und das ist Teil des Zugangstests..), spazieren wir noch ein wenig durch den angeschlossenen Park Richtung Botanischen Garten (quasi the Gruga of Oxford), suchen aber rasch Abkühlung in einem Café, denn die mit über 30 Grad brennende Sonne drückt ordentlich auf die Konditon, trotzdem schaffen wir es noch einen echten Stabruderer abzulichten, also diese Venedig-Gondel Variante, die hier auch praktiziert wird, nur ohne Singen.

Unser nächstes Ziel ist die Bodleian Libary, eine der ältesten und wichtigsten Büchereien des Landes. Leider darf man als Tourist nicht weiter als in die erste Halle, die ollen Bücher bekommt man nur während einer einstündigen Führung zu sehen. Wir überlegen kurz und sagen im Bed & Breakfast Bescheid, dass wir erst um 8 kommen, denn schließlich war die Libary eines unserer Gründe für einen Oxfordbesuch. Die Zeit bis zur Führung vertingeln wir noch in Shops und Starbucks, bei den wir uns ordentlich auf Vorrat runterkühlen. Bei der Führung bekommen wir ehe ehrlich gesagt nur wenige Teile des Gebäudes zu sehen. Man erfährt zwar ziemlich viel über die damaligen Umstände, die Thomas Bodley zur Gründung dieser Bibliothek bewegte, aber zu den Büchern selbst kommt man erst kurz vor Schluss und dann auch nicht gerade auf Einband-Fühlung, aber gelohnt hat es sich allemal. Diese Wände voll uralter Bücher ist beeindruckend. Jeder darf eine Erlaubnis beantragen, hier recherchieren zu dürfen, muss allerdings schwören, keine offenen Flammen mit in die Räume zu nehmen. Die Brandgefahr ist zu groß, zumal es bis heute keine Brandschutzvorrichtung gibt. Im Falle eines Brandes lässt man einfach all die Originale verbrennen nach dem Motto: "Eine Löschanlage würde die Bücher genau so beschädigen." Heute gibt es natürlich Leselampen, damals allerdings mussten die Leseratten mit dem Tageslicht auskommen, was nur spärlich durch die bleiverglasten Scheiben fällt. Eine düstere Angelegenheit, vor allem bei den alten "chained", also angeketteten Büchern, die nur im Aktionsradius der Kettenlänge lesen kann. Ausleihen und mitnehmen ist übrigens heute wie gestern tabu. Selbst für den König wurde da keine Ausnahme gemacht. Heute verfügt die Bibliothek über etwa 8 Millionen Bücher, einige in der New Boderian Libary, der Großteil jedoch in einer 200 Meilen entfernten Salzmine verstaut, denn ähnlich wie die Bibliotheque Francaise und die auch das Deutsche Archiv lässt man sich von jedem Druckerzeugnis ein Gratisexemplar schicken, also auch Zeitschriften und Komiks und "Schund"-Literatur, nur auf Strickmuster hat man verzichtet, sagt unser Guide. Und solche Mengen an Buchstaben wollen erstmal verstaut werden... Jedenfalls ist es eine faszinierende Idee hier in dieser Stille im dem Geruch von alten Büchern und Geschichte zu sitzen, nur ab und zu knarzt das alle Holz der Bänke und Regale. Ich muss mir unbedingt einen Grund einfallen lassen, warum ich ausgerechnet hier in einem der Bücher recherchieren muss... Bis vor einer Woche wurden hier zudem alte Manuskripte noch per Vakumrohrpost angefordert (also so wie in der Charité noch heute), jetzt ist aber gerade die vollständige Digitalisierung abgeschlossen und steht - na? - genau, bei Google im Books-Bereich zur Verfügung. Das ist ziemlich irre, zumal sich darunter auch Sachen von den Ägyptern auf ca. 2500 vor Christus datiert befinden. Übrigens ist der heutige Buchbestand bereits der zweite Anlauf. Die erst Bibliothek wurde auf geheiß des Rüppelkönigs Heinrich VIII. verbrannt, da er gegen das religiöse Gedankengut zu Feld zog und damit nicht womöglich ein Buch übersteht, hat er die nicht religiösen Inhaltes gleich mitverfeuern lassen. Clever der Mann.

Oxford hat sich auf jeden Fall gelohnt, nicht nur weil hier absolut reines Hochenglisch gesprochen wird (besagtes Oxford-Englisch mit seiner typischen, recht überkandidelt klingenden Tonmelodie), sondern auch architektonisch bekommt man wieder eine neue Impression von England. Was sich jedoch auch auf unsere geplante Weiterfahrt nach Stratford-Upon-Avon bezieht:Trotz, oder gerade wegen der Privatisierung kommen die modernen Züge hier meist pünktlich, wie auf den Schirmen zu sehen ist, unser 17:05er nach Newcastle wurde jedoch ersatzlos gestrichen. Zum Glück können wir eine halbe Stunde später einen anderen Zug nach Manchester nehmen, der uns zum Bahnhof Leamington Spa bringt, wo echt lang auf unseren Anschluss warten müssen. Macht auch nichts, da wir ziemlich von der Hitze gebeutelt sind und Franz`Koffer auf seinen großen Zeh gefallen ist. Der fängt zwar an tierisch zu bluten, schmerzt aber komischerweise überhaupt nicht. Also Picknicken wir wieder ein wenig am Bahnhof.

Nicht nur wir weichen auf den 17:35er nach Manchester aus, der Zug ist also rappelvoll. Zu doof nur, dass wir samt Koffer genau in der Mitte des Abteiles stehen und uns eine Halte vor Ausstieg mühselig Richtung Tür kämpfen müssen. Dafür können wir in Leamington in Ruhe unsere Zeitschriften lesen. Franz den New Musical Express, NME, mit Jacko-Tribut und Glastonbury-Special, Yvonne die neue Elle samt Bonusheft, exklusiv-Interview mit der Harry Potter-Darstellering (aber nur weil Emma Watson aus Oxford ist) und einem T-Shirt der Marke Paul & Joe Sister als Beilage, für nur 3,60 GBP. Kurz vor Acht kommen wir dafür planmäßig in Stratford-Upon-Avon an und der Weg zum Woodstock House, unserer heutigen Bleibe, ist nur tatsächliche, nicht englische zehn Minuten zu Fuß entfernt. Dennis begrüßt uns freundlich und führt uns routiniert in unsere Zimmer, dessen dicker, beiger Teppichboden sogar bis ins Badezimmer direkt an den Duschwannenrand und natürlich auch ans Klo geht. Es ist aber recht komfortabel und sauber, wenn auch ziemlich heiß. Schnell ein nicht-durchgeschwitztes T-Shirt übergestülpt und ab den Ort beschnuppern auf Futtersuche.

Stratford-Upon-Avon ist nach London die zweitmeist besuchte Stadt Großbritanniens, was daran liegt, dass Shakespeare hier geboren wurde, teilweise lebte und starb. Man kann sich also die touristischen Fallen ausmalen, die sogar noch neppiger rüberkommen, als im Vorfeld befürchtet. Wie vermutet passieren wir irgendwann auch einem Pub namens "Otello", heute nehmen wir jedoch bei einem hellen Italiener Platz, der uns zusagte und nicht Shakespeareiges im Namen trug. Ein Tag Pause von Pubfood ist toll, es gibt Wein und Salat, auch wenn wir als Quittung dafür nur spärliche Portionen bekommen.

Per Abendspaziergang wollen wir schon einmal sondieren, was und wo wir uns morgen anschauen werden und starren ganz lange ein altes Haus an, ehe wir bemerken, dass es Shakespeares Geburstshaus ist. Eigentlich ist das Prinzip hier in Stratford ganz einfach: alles was irgendwie windschief und nach uraltem Fachwerkbau aussieht hat was mit Shakespeare zu tun oder wurde sonstwie in eine Touristenmühle, also Pub, Hotel etc. verwandelt. Der Rest gibt sich betont modern und eifert jeder mittelgroßen, deutschen Durchschnittsstadt nach - nur das dort nicht so schreckliche Sachen feilgeboten werden, denn natürlich lassen es sich die restlichen Stratforder, also die ohne Fachwerkhaus, nicht nehmen aus den 500.000 Touris jährlich Profit zu schlagen und so gibt es eine Scheußlichkeit nach der anderen zu erstehen, zumeist natürlich mit dem Konterfei Williams. Nur der WEIHNACHTSSHOP (!) in dem es nur Weihnachtsdeko zu kaufen gibt, direkt gegenüber vom Geburtshaus des Meisters gibt sich betont trotzig und lässt dazu noch schallend Weihnachtlieder über den Platz ertönen.
Die eigentliche Kreativstätte, in der Shakespeare einige seiner Werke schrieb und schließlich starb, ließ der Besitzer vor zig Jahren abreissen, da er den Andrang der Touristen nicht mehr abkonnte und sich in seiner Ruhe gestört fühlte. Und auch das Geburtshaus entging nur knapp einem merkwürdigen Schicksal: Als es im 19. Jhd. zur Versteigerung stand, versuchte es sich der Zirkusdirektor des Zirkus Barnum unter den Nagel zu reißen, um es dann abzutragen und in den USA wieder aufbauen zu lassen.
Kurz: Stratford am Avon ist irgendwie nicht ganz das, was wir uns vorgestellt hatten. Zwar gibt es hier massig wirklich extrem alter Häuser, allerdings machen die ganzen Touri-Shops, Kitschfallen, Subways, Starbucks und Hauptstraßen das Flair kaputt, mit Kopfsteinpflaster und wesentlich mehr authentischer Oldschool wäre das viel putziger gekommen. Doch um Shakespeare zu zitieren:"There Is Money, Spend it, Spend it, Spend more". Hier wird aus allem versucht Geld zu machen und nachdem wir ausgelotet haben, wo die Holy Trinity Church liegt, bewegen wir uns so langsam ins Woodstock B&B, das übrigens wirklich gar nichts von Woodstook hat, aber immerhin nicht "Sommernachtstraum" heißt (heute stocknüchtern), um zu Duschen, bloggen und uns auszuruhen. Der Tausendfüssler, der uns mit Affenzahn auf dem Teppich entgegenkommt bestätigt unsere Vermutung, dass Teppich für Badezimmer suboptimal ist.

Fazit des Tages Yvonne: Wie konnte ich nur vergessen in England zu studieren? Zumindest eine Kurzaufenthalt in der Bibliothek muss noch irgendwie her. Irgendwie erinnert mich Stratford an Süddeutschland, nicht Bayern, aber kurz davor oder vielleicht Schwaben. Besonders auch diese Blumenampeln, die allerdings bisher überall auf den Straßen an einer Art Laternenmast hängen, wirken so. Aber dann noch in Verbindung mit dem Fachwerk..
Franz:Wieder eine neue Seite von England, Cornwall ist eben doch nicht alles, auch wenn Mikes Frühstück und das Meer gelegentlich ruft...

Mittwoch, 1. Juli 2009

11 Shaftesbury - Salisbury - Stonehenge

Heute entscheiden wir uns einstimmig bewusst gegen gekochtes Frühstück. Irgendwann kommt einem das Zeug doch aus den Ohren raus. Nach den Cornflakes im natürlich komplett pinke vom Esszimmer (sogar mit rosa Teppichboden!), rollen wir samt Gepäck zur Shaftesbury Town Hall und setzen uns in den Direktbuss nach Salisbury. Im Doppeldecker werden wir wieder einmal Zeuge von "Heckenknuddlerei" der Güteklasse A, richtig: die einspurigen Straßen. Ein Jeep muss sogar eine halbe Meile rückwärts kurven, denn neben unseren Bus passt kein Blatt Papier mehr. Einmal müssen wir sogar so lange warten, bis eine Frau in Allerseelenruhe ihre Einkäufe aus dem Kombi schleppt, ehe sie die Bahn frei macht.

In Salisbury angekommen, sind wir erst einmal überrascht, wie viele Shops es hier doch gibt. Nach 40.000 Einwohnern sieht das hier überhaupt nicht aus. Man merkt: London rückt näher, die Orte werden urbaner. Ehe wir uns jedoch ins Getümmel stürzen, suchen wir unsere Bleibe für heute auf. Wir vertrauen derselben Hostelkette wie schon in Bath und checken im YHA Salisbury ein. Und siehe da: Wieder eine richtige Entscheidung. Erneut taucht nach einer langen Einfahrt eine tolle, alleinstehende Villa Kunterbunt auf, dieses Exemplar mit einem Mamutbaum davor. Die Zimmer sind auch prima, sogar besser als in Bath, weil das Bad fehlt.

Salisbury empfängt uns also mit offenen Armen. Wir bummeln ein wenig durch die Stadtmitte mit dem Ziel Kathedrale, die eine der schönsten Englands sein soll. Und in der Tat: Das helle Schmuckstück macht überhaupt nicht den Eindruck, als sei es Mitte des 13.Jhd. fertig geworden, übrigens in nur rekordverdächtigen 45 Jahren. Der Kirchenturm ist mit 123m übrigens der größte Englands, hat sich aber über die Jahre um 75cm gen Südwesten geneigt. Salisbury bringt quasi ein wenig Pisa-Feeling mit, der Tourguide: "Wir glauben zwar nicht, dass der Turm irgendwann mal umkippt, aber wenn sie sicher gehen wollen, bleiben sie auf der Ostseite." Sowieso hat man es hier nicht so mit der architektonischen Gründlichkeit: Die eigentliche, zuerst erbaute Kathedrale krachte kurz nach ihrer Weihung ineinander. Auch der zweite Anlauf sollte scheitern, weswegen man alles brach liegen ließ und hier, am Avon komplett neu ansiedelte. Die Ruine Old Sarum drei Meilen weiter nördlich kann man übrigens besichtigen.

Uns interessierte jedoch die so viel gelobte Marien-Kathedrale, die viele interessante Sehenswürdigkeiten, kleine wie große, beherbergt. Nach einer der ersten Uhren aus dem Mittelalter, die heute immer noch tickt und die Glocken läutet (allerdings nur stündlich), gehen wir an vielen Grabmälern vorbei, die irgendwann einmal hoch geholt wurden. Der Schrein von Osmund, machte wegen seiner Heilkräfte Salisbury zum Pilgerort. Das Reinhalten von Körperteilen in diesen Schrein (Sarg) soll Krankheiten entfernen und eigens für diesen Zweck hat man eine zweite Ummantelung mit Löchern angebracht. Auch eine Erwähnung Wert: Neue Chormitglieder werden vor ihrer ersten Probe mit dem Kopf gegen einen ganz bestimmten Stein gehauen. An der Stelle zeigt dieses Mauerstück den Verschleiß der vielen Jahrhunderte. Der große Schatz, befindet sich jedoch im Seitenschiff der Kathedrale: Eines der vier Originale der Magna Charta! Juristen vor: Diese regelte das Verhältnis von König zu seinen Untertanen neu und das so revolutionär, dass auf die Magna Charta die spätere Bill Of Rights und die amerikanische Verfassung zurückgehen, im Prinzip auch die Menschenrechte und damit legte sie den Grundstein für die Demokratie. Warum allerdings König John sich im Jahr 1215 zu einem solchen Machtverlust per Dekret hinreißen ließ ist uns gerade nicht geläufig. Jedenfalls ist das gute Stück recht unspektakulär, kleinhandschriftlich und ohne Siegel etc., wahrscheinlich weil es sich um eine der offiziellen Abschrift handelt, außerdem auf Latein - Franz ist enttäuscht, hätte es sich entsprechend der Bedeutung viel größer vorgestellt und sieht sich daher auch nicht veranlasst das strikte Fotoverbot einzuhalten. Ohne Blitz kommt ihr daher hier in den Genuß der offiziellen Abfotografie.

Wieder draußen: Wie die Tommies jetzt noch Cricket spielen können, was sie eigentlich ständig tun, egal wo man auftaucht, bleibt uns ein Rätsel. Gesund ist das nicht, wir halten es bei knallender Sonne und über 30° nicht draußen aus. Wir flüchten deshalb schnell in den klimatisierten Burger King und warten auf einer anderen Terasse darauf, bis sich die Bedingungen für unsere kommende Freiluftbesichtigung verbessern: Stonehenge. Zwar gibt es da so eine Touri-Tour samt all-inclusive-Busfahrt-Paket, wir wollen aber nicht 40 Minuten warten und fahren auf eigene Faust nach Amesbury an, wo wir mit verdammt viel Glück direkt bei Ankunft den einzigen Bus des Tages von dort zum Steinkreis ergattern.

Mitten auf einem Feld an einer Schnellstraße ist das Tor zum touristischen Höhepunkt: ein paar obligatorische Fressbuden, Kassenhäuschen, Souvenirshops. Man bekommt wieder einen Audioguide umgehangen, was wirklich toll ist, denn so hat man die Infos einfach dann, wenn man sie braucht und muss nicht die ganze Zeit in Broschüren herumblättern. Durch eine Unterführung geht es auf die andere Seite der Straße, innerhalb des weiträumig eingezäunten Areals. Da stehen sie dann, die Steine, aufgestellt im Kreis. Man weiß erst gar nicht was man von ihnen halten soll. Einerseits sind es natürlich nur unordentlich angereihte alte Felsen, die man da sieht, aber hauptsächlich muss man einfach wahrnehmen, dass dies ein imposantes Zeugnis aus der Vorzeit ist, über das - und das macht die Sache noch interessanter - heute immer noch gerätselt wird.

Warum steht Stonehenge (wortwörtlich übersetze: "hängende Steine") eigentlich hier? Wofür oder für wen? Fragen, über die man keine genauen Antworten weiß. Ein verdächtiger Zufall ist, dass der Kreis wie eine Art Kalender funktioniert. Genau am Tag der Sommerwende fällt das Sonnenlicht durch eine bestimmte Formation genau auf den mittlerweile umgekippten Altar. Allerdings fand man tausende (Hügel)Gräber drumherum, auch per Asche wurde hochfrequentiell beerdigt. War Stonehenge eine Kultstätte, ein Tempel? Doch warum wurde das Bauwerk mehrere Male umformiert, erweitert, aber über 1500 Jahre aufgesucht? Die ersten Steine wurden lustigerweise zeitgleich, als die ersten Pyramiden gebaut wurden (grob 3000 v. Chr.) teilweise aus dem heutigen Wales mühseelig an diese Stelle gebracht, warum? Die Dinger wiegen bis zu 45 Tonnen! Was auch viele nicht wissen: Man sieht oberirdisch nur 2/3 der Felsen, 1/3 liegt unter der Erde. Mittlerweile darf man nur noch entlang der Steine gehen, der Weg ist mit einem Seil abgezäunt. Verständlich, war es doch lange Sitte, sich ein Stückchen offiziell als Souvenir abschlagen zu lassen (legal!) oder sich per Graffitti zu verewigen. Wir finden, dass man teilweise nahe genug rankommt (und werden kein "Y+F in Herzform" hinterlassen). Im Gegenteil beim Rundgehen wird man erst drauf aufmerksam, dass der Mythos aus jedem Blickwinkel anders aussieht, eben weil es nicht symmetrisch ist. Muss man so oder so gesehen haben und ist auf jeden Fall die Reise Wert.

Auf der Busrückfahrt, spricht Steve, der nette Fahrer, ein paar Restaurantempfehlungen per Mikrofon aus, bei denen man auf Wunsch einfach außerplanmäßig aussteigen kann. Obwohl er uns das "King`s Head" empfiehlt, hat es und die "olle Mühle" gegenüber angetan. Wie der Name sagt, ein Lokal mit großer Terrasse an einer Mühle am Avon. Herrlich. Mit Birnen-Cidre und Burgern philosophieren wir noch über die Steinkreise, ehe wir vorbei an einer Michael Jackson Memorial Dance Night, zurück in unser gemütliches Hostel wackeln (allerdings nicht ohne einen Moonwalk zu versuchen). Trotz der laut spielenden deutschen Schulklasse (dem Dialekt nach zu urteilen aus Hessen oder der Pfalz), ist es angenehm (kühl) im Garten, wo wir bei zwei Cidern noch in Ruhe den Tag ausbloggen.

Fazit des Tages:
Franz: Salisbury war eine positive Überraschung, ebenso so wenig hätten wir so eine Hitzewelle in UK erwartet.
Yvonne: Tausend Jahre sind ein Tag. Keine Krise auf meinem Kulturkonto in Sicht.

Dienstag, 30. Juni 2009

10 Bovey Tracey - Haytor (Dartmoor) - Shaftesbury

Heute heißt es wieder Wandertag, also auch Full English Breakfast. Allerdings nur ein halbes, denn wir machen wir machen auch nur eine light-Wanderung (denken wir zumindest). Die Verbindungen vom abgelegenen Bovey Tracey ins verschlafene Shaftesbury sind rar gesäht, weswegen wir schon um kurz vor 1pm den Bus nach Exeter kriegen sollten. Als Ziel haben wir uns das Haytor empfehlen lassen, einen Granitfelsen auf der ersten Berghöhe des Dartmoors. Spektakulär, und nah. Auch das Wanderpärchen, aus Wiltshire, die sich plappernd mit uns Frühstücken, sind voll des Lobes für das Dartmoor. Sie selbst sind schon im "Club der 500", das heißt: Sie haben bereits über 500 Letterboxes gefunden. Die Letterboxes sind meist Plastikdosen, die im ganzen Nationalpark (ca 50 breit) gut unter Steinen, Baumhölen, etc. versteckt sind und die ein Stempel., sowie ein Büchlein beinhaltet. Findet man eine dieser Boxen, macht man sich in sein eigenes Buch einen Stempel, und hinterlässt im Letterboxbuch sein Zeichen. Dann legt man die Dose wieder zurück. Seit Ende des 19. Jhd. haben sich tausende dieser Boxen angesammelt und Letterboxing ist ein richtiger Sport geworden.

Duncan ist zuversichtlich, dass wenn wir seinen Shortcut nehmen, wie es innerhalb von 45-60 Minuten schaffen sollten das Haytor zu erklimmen. Leider führt die Abkürzung immer entlang der engen, verwinkelten und ständig ansteigenden Landstraße, auf der richtig was los ist bei 40 miles per hour.. Außerdem erhärtet sich bei uns der Eindruck, dass das Deo 8x4 schon im Namen auf die Anzahl Fliegen hinweißt, die es gleichzeitig anzuziehen vermag. Es ist heiß, es ist schwül, es ist gefährlich und es sieht so aus wie immer. Neben dem Schweiß rinnt uns auch die Zeit davon, kurz wir sind genervt. Aber im Umkehren sind wir nicht so gut, also legen wir stattdessen noch einen Zahn zu. Trotzdem dauert es 1.20 Std. bis sich die Landschaft plötzlich verändert, das Haytor ist jetzt in Sichtweite und wir folgen etwas ab der Straße einem sehr reizvollen Weg, der entlang einer verlassenen Eisenbahnstrecke verläuft. Von hier wurde früher massenhaft Granit in die entfernten Städte transportiert und z.B zur Towerbridge in London verbaut

Wir sind jetzt wirklich im Moor, kurze trockene Bewachsung und Mattenrasen, freilaufende Schafe und jede Menge Wildponys (naja, wild, die kommen bis zu den Parkplätzen um zwischen den Autos nach Futter zu suchen..), Steinkreise und Formationen, sowie Heidekraut zeugen davon. In grauer Vorzeit gab es hier jede Menge Besiedlungen und es ist toll einfach so über eine Art Mini-Stonehenge zu stolpern. Das Haytor sieht toll aus, den ganzen Tag versuchen sich hier Kletterer und obwohl sich ganze Schulklassen hier tummeln, kann es hier einfach nie "voll" werden. Trotz unseres Sturmschritts scannen wir noch fleißig alle verdächtigen Steine auf mögliche Letterboxvorkommen, haben aber leider kein Glück. Immerhin leuchten jetzt unsere hochroten Köpfe vom Gipfel und die 360° Sicht ist wirklich atemberaubend und ganz anders als das bisher gesehene. Doch die Begeisterung dauert nur kurz, denn jetzt heißt es, nachdem wir knappe 2,5h nach oben gebraucht haben und völlig nassgeschwitzt und im Eimer sind, wie kommen wir schnell zurück? Uns bleiben genau 50 Minuten, laufen fällt also flach, finden wir auch gar nicht so schlimm... Also gibt es drei Möglichkeiten: alle mit 4 Rädern: 1. Bus - fährt nicht. 2. Trampen, klappt nicht - entweder wir sehen zu unappetitlich aus oder Pferde und Hunde blockieren die freien Mitfahrmöglichkeiten. Komischerweise kommt auch genau jetzt kein Auto mehr in unserer Richtung, obwohl wir vorher alle paar Sekunden zur Seite springen mussten. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als in der Infozentrale ein Taxi zu ordern. Nach einer Viertelstunde winkt uns eine BMW Sportlimosine per Lichthupe zu sich. Von Taxi-Schild keine Spur, von Taxometer ganz zu schweigen. Klarer Fall von Gipsy Cab. Ist uns recht, denn mit need for speed rasen wir zurück ins Oaklands, wo wir - typisch Deutsch - wie angekündigt pünktlich um 12.20. schellen, um die Koffer abzuholen.

Kurz später schunkeln wir im Doppeldecker mit Dach gen Exeter, einem wirklich netten Städtchen wie es scheint, soweit wir das beim fliegenden Wechsel Busbahnhof - Zug beurteilen können. Franz schmollt rennend, weil wir kein Foto mehr von der Kathedrale, die hier ebenfalls sehr beeindruckend sein soll, mehr machen können, ich (Y) bin leider nicht ganz auf der Höhe und quäle mich gerade eher in den Zug nach Gillingham. Wie - nie gehört? Das liegt direkt zwischen Sherbone und Flinton... Genau. Muss man nicht kennen. Wir sind mittlerweile wieder in Dorset mit Ziel Shaftesbury. Die letzte Busfahrt hierhin schüttelt uns noch mal 30 Minuten durch die Gegend. Wer mein Wallpaper gesehen hat, weiß, weshalb es uns hierhin verschlägt. "Gold Hill" ist eine Straße mit gefühlten 40% Steigung in diesem niedlichen Ort, der durch eine Bäckereiwerbung mittlerweile in ganz Britannien bekannt ist (auch wenn hier suggeriert wird es handele sich um Nordengland), weshalb einen vor dem Rathaus ein riesiges Toastbrot-Denkmal begrüßt. Gold Hill selbst ist das klassische, romantische Postkartenmotiv mit süßen Cottages und einem England aus der Zeit von "Der Doktor und das liebe Vieh" (ja, das hab ich auch noch zur Einstimmung geguckt..).

Vorher wollen wir jedoch unser Gepäck bei unserem Bed and Breakfast loswerden. Nach der Wanderung gönnen wir uns erneut ein Taxi, da wir keine Lust auf Herumirren haben und gelangen für 4,55 GBP in Windeseile zu Ivycross 1. Die Adresse liegt an einem Hauptverkehrskreisel gegenüber einer Tankstelle - Franz fühlt sich wie zu Hause. Von außen ist das Haus ganz niedlich, von innen, tja, irgendwie... kitschig. Franz stellt fest, dass sich in jedem Raum entweder eine Porzellan-Katze, etwas Rosafarbendes oder florales befindet - meist jedoch alles zusammen. Die Harry Potter-Lehrerin Dolores Umbridge war wohl hier Innenausstatterin. Die Dame des Hauses begrüßt uns mit hoher Stimme und führt uns in unser muffiges Zimmer, in dem immerhin alles hellblau und aus 100% Plastik ist, einschließlich dem Oberbett- und Kopfkissenbezügen. Ihren Flur-Kühlschrank stellt sie uns auch zur Verfügung, allerdings nur, wenn wir die Schokolade der Kinder nicht anrühren.

Kurz ausgeruht und die Wanderschuhe gelüftet, schon geht es wieder los auf Besichtigungstour. Besagter Gold Hill, die Klosteranlagen und Kirche von Außen, die tolle Aussicht auf die Landschaft von Dorset werden inspiziert und für gut befunden. Für den Klostergarten kraxeln wir auf eine Schubkarre, um einen Blick über die Mauer zu erhaschen. Das "Mitre-Inn", der erste und älteste Pub am Platze lockt mit einer Bischofsmütze im Schild und Red Hot Chilli Peppers aus den Boxen. Wir bestellen unser erstes Lamm in Minzsoße und setzen uns in den tollen Biergarten mit 60km Luftlinienaussicht. Mit ihrem Kompass versucht Yvonne herauszufinden, ob auf einem der Hügel das Glastonbury Tor zu sehen ist, doch nach einem Apple Crumble, schlurfen wir gemütlich nach Hause ins gemachte Bettchen.

Fazit des Tages:
Franz: Cornwall ist nicht England, und das ist auch gut so. Landhaus und Haytor haben den Moor-Abstecher doch noch lohnenswert gemacht und Shaftesbury ist wirklich putzig. Wir sind die England Explorer!
Yvonne:Trotz kleineren Abzügen in der B-Note zwei lohnenswerte Ziele. Nur mein Koffer nervt und manchmal geht es ein bißchen über meine Kräfte gerade, irgendwann reise ich endlich nur noch mit Handtasche, Anglerweste und Visa-Karte ;)

Montag, 29. Juni 2009

09 St. Ives - Trewithen - Bovey Tracey

Der Abschied aus St. Ives fällt uns sichtlich schwer. Die Gastfreundlichkeit von Gil sowie das Frühstück von Mike, die Urlaubsstimmung, der Traumstrand... und wir fahren bei Sonnenschein ins Moor?! Naja, ein wenig verfluchen wir uns schon, als wir am Bahnhof noch einmal auf unser Paradies blicken, doch wir wollen einen kompletteren Eindruck von Südengland und dazu müssen wir weiter.Punkt. Dennoch sind wir uns einig: "Who could be ever tired of St. Ives?"

Auch wenn Franz das im Vorfeld nicht so recht wahr haben wollte, zu Südengland gehört auch ein Gartenbesuch den Yvonne clevererweise, wenn auch eigentlich unabsichtlich, auf ihren Geburtstag gelegt hat. Da kann Franz nicht Nein sagen. Ausgesucht haben wir uns aus praktischen Gründen Trewithen, da dieser als einziger gut von Truro aus zu erreichen ist, obwohl Trebah, The Lost Gardens of Heligan und Trelissick Yvonnes eigentliche Favoriten waren.

Da wir heute wieder einmal ein beschränktes Zeitfenster für die Weiterfahrt nach Bovey Tracey haben, knicken wir uns die gut 40 Minuten Wartezeit auf den Bus in Truro und steigen in ein Taxi nach Trewithen. Zudem steigert Englands Hitzewelle nicht gerade die Motivation unsere prallen Koffer stundenlang durch die Gegend zu ziehen. Vor der Fahrt hatte der Fahrer circa 15 GBP als Preis angegeben, als er diesen Stand mitten auf dem Schnellweg erreicht, schaltete er einfach sein Taxometer aus. Also Abzocker gibt es auf der Insel nicht, zumindest nicht im Nachhinein (okay, nur in Land`s End, aber das ist ja auch das Land`s End...)! Auch an der Kasse des Gartens zeigen sich die Briten wieder einmal von ihrer freundlichen Seite und die Dame lässt uns unsere Koffer dort abstellen. Statt einem Ticket gibt es einen Aufkleber, und natürlich darf der Einführungsfilm nicht fehlen.

Trewithen ist eine circa dreihundert Jahre alte Anlage, vollgestopft mit exotischen Pflanzen, die vor allem in Asien, aber auch in anderen Teilen der Welt wortwörtlich von den unterschiedlichen Besitzern "gejagt" wurden (Plant hunting). Die eigendlich so geselligen Engländern werden nämlich zu Bestien, wenn es um ihr Grün und Gut geht. Da investieren Lottogewinner und Nobelpreisträger ihren ganzen Gewinn in ihren Garten, ohne dass das irgend jemand komisch findet. So hat die Besitzerin des Trewithen Gardens 25 Jahre nach der Aussaat ihrer Magnolien das Geld vom Pflanzenhändler (damals noch vom Großvater betrieben) zurückverlangt (und bekommen!), da sich bei den ersten Blüten herausstellte, dass der gewünschte Pinkton nicht ganz getroffen wurde. Nicht umsonst ist die wöchentliche Garten-Fragestunde im Radio die beliebteste und mit Abstand am meisten gehörte Sendung im Rundfunk! Um es mit Obelix zu sagen: Die spinnen, die Briten.

Dadurch, dass es zu dieser Jahreszeit überhaupt nicht blüht auf Busch und Baum, sieht es an den meisten Stellen so aus, als hätte man unter den Bäumen gefegt und einen Zaun um die normale Landschaft gemacht. Nach anderthalb Stunden finden wir enttäuscht dass wir genug gesehen haben und suchen die Bushaltestelle, die sich angeblich ein Stück die Schnellstraße (Autobahnzubringer...) herunter an einem Verkehrskreisel befindet. Während wir mit unseren Trollys die Kiesauffahrt runterholpern (Kies und Trollys vertragen sich nämlich nicht besonders gut) fühlen wir uns einzig von einer großen Herde Kühe beobachtet. Mit Angst- und Echtschweiß erreichen wir den Kreisel, aber keine Bushaltestelle in Sicht. Panik, denn weit und breit ist hier nichts außer Autobahn. In unserer Verzweiflung überlegen wir tatsächlich für einen Moment auf den Highway nach Truro zu rollen, aber viel sinnvoller erscheint uns die Flucht nach vorne, sprich weiter die Schnellstraße hoch, nach dem Motto "Irgendwann wird schon etwas kommen." Und in der Tat, eine dreiviertel Meile später als behauptet, befindet sich der gewünschte Stop nach Truro, so dass wir unsere Zugverbindung ins Dartmoor locker und rechtzeitig bekommen.

Newton Abbot heißt unser nächster Stop, das ist schon am Rand des Dartmoors, muss man nicht kennen, muss man nicht mögen. Langsam wird es wieder richtig ländlich und entsprechend hört sich der lokale Akzent ein bißchen nach Ami-Rancher mit Kartoffel im Mund an. Dumerweise liegen Bahn- und Busbahnhof in den Städten hier selten nahe beieinander und fordern uns immer ziemlich anstrengende Wege zwischen den Verbindungen ab. Auch wissen wir meistens nicht wo genau sich unsere B&B befinden oder es gibt nur eine zentrale Haltestelle, von der aus es fast immer noch ordentlich bergauf geht, bis wir endlich wieder die nächste Unterkunft erreiche. Das gilt auch in Bovey Tracey, dem "Tor zum Dartmoor" wie sich der kleine, beachtungsheischende Ort nennt. Eine handgemalte Karte der netten, hiesigen Supermarktbesucher, 1,5 Meilen Fußweg und eine Kiesauffahrt später, stehen wir vorm Oaklands, unserer bisher schicksten Bleibe. Das Haus sieht von außen ziemlich gotisch-viktorianisch, ein bißchen spooky jedenfalls aus, ist riesengroß und strunzt nur so vor Wohlstand. Jetzt bekommen wir endlich wieder richtig Bock aufs Hiersein.

Kathleen führt uns in unseren Prunkraum mit hohen Decken, der genauso aussieht, wie die Jane Austen Zimmer im Museum nur doppelt so groß. Neben dem Kamin steht der obligatorische Flatbildschirm, aus dem Fenster sieht man den Herrn des Hauses - Duncan (...) - beim Rasenmähen (mit farblich passenden Ohrschützern). Eines ihrer Kinder haben sie tatsächlich Harriet genannt. Adel verpflichtet und so gewöhnen wir es uns an, uns nur noch mit Lord und Lady anzusprechen.

Lord Franz quält ein Hüngerchen und daher geht er mit Lady Geburtstagskind in den Pub am Platze, das Dolphin Inn (heißt so wie unser Zimmer..). Hier beenden wir die Fischdiät mit dicken 10oz Sirloin Steaks. Der Verdauungsspaziergang macht deutlich, dass wir in "Bovey" sonst nichts verpassen, macht nichts, wir wollen sowieso zurück in unsere Landvilla. Vorm Schlafengehen googeln wir noch unsere morgendliche Wanderroute und essen noch eine Minz-Crisp-Oblate, ehe das Licht ausgeht.

Fazit des Tages
Yvonne: Ok, unsere Reise hatte heute ihren ersten 8-Stunden Hänger, aber da Anfang und Ende des Tages vielversprechend sind, sehen wir da einfach drüber weg. Geburtstag? Wird noch zu Hause nachgefeiert, bestimmt aber ohne Koffer in der Hand.
Franz: Eine neue Seite der Insel. Meine Lady bekommt endlich die Zimmer, die sie für ihre Romanleserei verdient. Ich bin gespannt, wie der Lord sich im Dartmoor macht...

Sonntag, 28. Juni 2009

08 St. Ives - St. Michael`s Mount

Schon gestern haben wir uns aufs nächste Frühstück gefreut, obwohl wir hier immer um 7.50 dafür aufstehen müssen. Besser noch: Obwohl wir nicht die Ersten sind, ergattern wir dennoch den Super-Platz vorne am Panorama Fenster. Das andere Pärchen überließ uns den Vortritt: "Wir sehen dieselbe Aussicht ja die ganze Zeit von unserem Schlafzimmer aus." Wie nett. Während Franz demselben "Menü" wie gestern vertraut, versucht sich Yvonne am Porrdige. Hatte sie sich sowieso vorgenommen und wenn nicht von Mike, von wem dann? Das schmeckt übrigens wie heiße Buchweitzengrütze in süß mit Früchten und ist echt lecker.

Wieder einmal haben wir alles richtig gemacht. Heute hattten wir uns nämlich den Rundreise-Tag in Cornwall vorgenommen und die Wolken am Himmel sprechen sowieso gegen einen Strandtag. Ab St. Ives fährt alle zwei Stunden ein Bus - der cornish explorer - im Kreis durch die Westspitze Cornwalls, der an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten und Orten hält. Man kann aussteigen, besichtigen und ein, zwei Stunden später die Rundreise fortsetzen - und das Flatrate für 6,50 GBP pro Nase. Da wir früh dran sind gehen wir noch schnell in den Oxfam Shop, hier werden gespendete second hand Sachen für einen guten Zweck verkauft. Ich (Y) will mir doch noch ein Jane Austen Buch kaufen, da "nur" Reiseplanung, Reiseführer und bloggen mich noch nicht völlig ausfüllen. Als ich danach frage, entgegnet die Verkäuferin schockierenderweise: "Jane Austen, is this the name of the author or the book?" WAS??? Ihre Kollegin zeigt mir darauf schnell die "classics" Abteilung und ich erstehe "Northanger Abbey" und schwelge fortan in Bath-Erinnerungen.

Der erste "wichtige" Stopp ist der St. Michael`s Mount, den wir uns beide unbedingt anschauen wollen. Ob die Anlage auf der Insel nun ursprünglich eine Burg, Schloss oder Kloster war wissen wir nicht mehr so genau, jedenfalls soll hier mal ein paar Fischern auf dem Felsen, den ein Riese erbaut hat, der heilige Michael erschienen sein. ok, wahrscheinlich war´s zuerst ein Kloster. Das Besondere daran ist jedenfalls - ebenso wie beim fast baugleichen und gleichnamigen aber später errichteten französischen Pendant Mont St.Michel - dass man bei Ebbe zu Fuß vom Festland zur Sehenswürdigkeit waten kann. Doch als wir aus dem "Cornish Explorer" aussteigen, herrscht nicht nur Flut, auch die ersten Regentropfen unserer bisherigen Reise (!!!) kommen so langsam vom Himmel (es bleibt aber bei knapp einem Dutzend...). Wir erwischen aber gerade noch ein Boot, dass uns für 1,50 rüberschifft. Ebenso wie die Busfahrten war auch diese Reise eine "wacklige" Angelegenheit, widerum sehr zum Vergnügen der Achterbahnkönigin Yvonne.

Die Anlage sieht in real noch viel beeindruckender und größer aus, als im Reiseführer. Auf der Part-time-Insel steht ein großartig erhaltenes Schloß, umgeben von tollen Terrassen-förmig angelegten Gärten. Wir trotten vom Quai einfach in ein Häuschen, dass wie die Kasse aussieht. Schweigend stehen wir im Raum, ein paar andere schicke Leute, darunter ein höherer geistlicher Würdenträger warten ebenfalls und schauen uns nach 1-2 Minuten fragend an. "Warten sie auch?", fragt der eine. Wir bejahen. Schweigen. Jetzt kommt uns die Sache langsam komisch vor. Yvonne brichht schließlich das Schweigen. "Wir wollten eigentlich Tickets kaufen?" Plötzlich lachen alle. "Oh"; sagt der Mann hinterm Schreibtisch, "die gibt es dort drüben, um die Ecke."

Ein wenig verunsichert durch die Lacher (meine Frage war aber sowohl von der Betonung wie auch gramatikalisch korrekt) trollen wir uns 100 Meter weiter zum jetzt ersichtlichen Touristenstrom. Natürlich gibt es auch hier einen National Trust Shop (die sind etwa so häufig wie Starbucks in Amerika) und im Nebenraum des Shops läuft der obligatorische Einführungsfilm, den wir sehr zu schätzen gelernt haben. Dann geht´s mal wieder bergauf zur Burg. Nicht nur die Anlage sieht von außen beeindruckend aus, die Gärten und Ställe sind ebenfalls beeindruckend für die räumliche Enge mitten im Meer. Der Garten hat geschlossen und kann nur am Wochenende besichtigt werden. Da wir es aunahmsweise einmal nicht mit einer Ruine zu tun haben, hat das ganze sogar ein Innenleben, sogar ein recht pompöses. Eigentlich darf man dort keine Innenaufnahmen machen, doch Warnschilder und Aufseher halten einen motivierten holländischen Touristen nicht auf (die Kamera für Franz war eine blendende Idee, auch wenn er als Fotograf langsam ähnlich extatische und diktatorische Züge annimmt wie ich.. :)). Die prunkvollen Räume üerbliefern einen guten Eindruck davon, wie es vor Hunderten von Jahren hier aussah. Das man aus allen Fenstern das Meer sah, ist damals wie heute beeindruckend. Auch ein Eyecatcher: Ein Original-Stoffstück und Haare Napoleons während der Schlacht von Waterloo ergattert! Klar, dass sich die Engländer freuen, wenn die Franzosen baden gehen...

Oben im Hof treffen wirauf Renate, Roswitha, Uschi und Gisela (kein Scherz!), einer deutschen Reisegurppe, samt männlichem Anhang. Viele Deutsche sind hier und heute nämlich unterwegs. Normalerweise sollte man deren Kommentare überhören, denn oft kommt entweder blanke Unwissenheit oder Unhöfflichkeiten dabei herum, als Renate doch plötzlich ihrem Mann zuruft: "Gucke mal, da unten, das is doch der Charles!´" "Meinste?", lacht die bessere Hälfte. "Ja sischer! Der ist auch doch so groß für einen Royal. Daran hab isch den erkannt." Yvonne hält aus Reflex einfach mal mit der Kamera unten auf den Garten (der für diese Gruppe offenbar nicht geschlossen ist..) und tatsächlich: Da stehen Leute mit reichlich Lametta auf den Uniformen. Da wir die royalen Seegelohren aus der Entfernung nicht einwandfrei identifizieren können, wollen wir beide jedoch noch nicht so Recht daran glauben. Das wäre ja schon ein sehr großer Zufall, der unsere Reise mit His Royal Highness oder wie auch immer das korrekt heißt, krönt. Grinsend gehen wir weiter Richtung Kapelle, die relativ groß ist für so eine Burganlage.

Seltsamerweise standen dort ebenfalls ein paar Sicherheitsleute, die alle ein giggelnd nervös hin und her laufen. Ein Junge in Uniform ist ein bißchen bleich um die Nase und bekommt von der Dame aus dem vermeintlichen Kassenhäuschen genaue Anweisungen: "...Nachdem der Begrüßung, ziehen sie sich einige Meter zur hinteren Bank zurück, bis Charles an ihnen vorbei ist, danach erhalten sie weitere Anweisungen..." Die Dame scheint sowas wie der Zereonienmeister zu sein, die überall schon einmal vorgeht und sagt, wie was wo abzulaufen hat. Presse und Kameras sind nicht anwesend, der Prince of Wales scheint also privat hier zu sein. Was auch der folgende Funkspruch bestätigen würde, den Franz mitbekommt: Knister, dann eine monotone Stimme: "Receiving Cake." Over and out. Spätestens jetzt sind wir von der Besichtigung abgelenkt und grinsen wie zwei Honigkuchenpferde. Am Ausgang treffen wir Renate und die anderen golden Girls, die immer noch rätseln, ob "er dat denn tatsächlich war", ihre Männer bezweifeln dies nämlich stark und machen sich ein wenig darüber lustig. Als wir der Gruppe jedoch bestätigen, dass "er" tatsächlich anwesend ist, schien ihr Tag gerettet. Die Gruppe hat den Spaß ihres Lebens und wird beim nächsten Stammtisch in wo auch immer wird das Thema des Tages sein.

Doch auch ohne Charles ist St. Michael`s Mount wirklich toll und hat die Reise gelohnt. Leider reicht die Ebbe jedoch noch nicht aus, um per pedes zurück zum Festland zu gelangen, also nehmen wir nochmal das Wassertaxi. Leider verpassen wir den Bus um ein paar Minuten und hängen für knapp 2 Stunden im sonst eher toten Örtchen fest. Aber wofür gibt es denn die Tea time? Leider präsentiert das Café das Gegenteil von Mikes Schlemmerkünsten. Mittlerweile ist Ebbe, der royale Jeep nebst Entourage bahnt sich seinen Weg über den aus den Fluten aufgetauchten Pfad und auch wir wollen noch einmal zu Fuß zum Mount gehen, einfach "um es getan zu haben".Einen Tick früher als der Explorer kommt ein anderer Bus nach Penzance, den wir nehmen, um uns das vergleichsweise größere Örtchen kurz anzuschauen, ehe der leider letzte Explorer des Tages die Rückfahrt startet.

Penzance erinnert Franz ein wenig an Brighton, wenn auch nicht ganz so "szenig" und groß. Es gibt einen Hafen, Geschäfte und wahrscheinlich viel zu tun. Gerade ist Piratenkirmes. Man trägt historisch anmutende Aufsteck-Schnallen auf den Sneakers und fuchtelt mit Plastiksäbeln. Schon die Jugend rüstet sich hier gleich ihren kämpferischen Vorfahren mit Camouflage-Helmchen und Plastikautomatikknarren zeitgemäß. Unser Favorit ist jedoch der kindgerechte Panther 2-Panzer Luftballon! Lilly und David machen hier häufig Urlaub (...), doch für mehr als eine halbe Stunde rumbummeln reicht die Zeit nicht (Sorry David).

Der pünktliche Cornish Explorer ist ein Doppeldecker-Cabrio. Von oben hat man zwar eine super Sicht, riskiert aber Kopf und Kragen. Weder Fahrstil noch Fahrbahn unterscheiden sich von denen normaler hiesiger Busse. Yvonne versteht, woher J.K. Rowling die Idee für den "Fahrenden Ritter" hat, während Franz sich vergebens versucht irgendwo festzuklammern, doch es gibt weder Stange noch Gurt und nach jedem Hügel oder Vollbremsung muss man schon ein wenig sein Gewicht verlagern, um nicht bedrohlich nah an die Ballustrade katapultiert zu werden. Aber die Strapazen lohnen sich, wir fahren an Steinkreisen vorbei und erkunden gute zwei Stunden lang zwar ein bißchen erfroren und mit Fliegen zwischen den Zähnen, den ganzen westlichen Zipfel Großbritanniens. Leider reicht die Zeit nicht mehr das "Minnack Theatre" zu besichtigen, ein spektakuläres Amphi-Freilicht-Theater direkt an den Klippen. Land`s End, dem allerwestlichsten Punkt Englands, trauern wir indes nicht hinther, denn zu sehen gibt es hier eh nichts, außer einem Schild und die Klippen samt dem Ozean, den wir ja in aller Pracht die letzten fünf Tage genossen haben. Außerdem muss man dafür Eintritt zahlen und für die Wartezeit bis zum nächsten Bus werden die Besucher durch eine Shoppingmall gelotst. Absoluter Nepp. Nach Land`s End entdecken wir, dass wir Cornwall mittlerweile sehr gut kennen. Einspurige Straßen, Klippen, Grün uns fallen nacheinander die Augen zu, verschlafen aber immerhin die Ruinen alter Zinnminen und unseren Ausstieg in St. Ives nicht.

Never change a winning team, kein langes Fackeln, also gehen wir noch einmal ohne Umwege straight ahead ins "Sloop Inn". Eisern halten wir an unserer Haltung fest, weiterhin Fisch zu essen, so lange er so frisch aus dem Meer geangelt wird. Für Fleisch bleibt ja noch die kommende Woche. Wir bestellen noch einmal den Cod von gestern, eine Gemüsesuppe als Starter, sowie ein Trio of Cornish Fish, welche mit einer cremigen Brandy-Sauce serviert wird. Wie immer: Absolut köstlich. Nachdem der Pegel im Pint auf Null abgesunken ist, schlurfen wir nach Hause, um schon einmal zu packen und im Web unsere weiteren Verbindungen auszugoogeln. Wir wollen nämlich auf Yvonnes Geburtstag am Strand mit einer Dose Cider anstoßen. Das Geburtstagskind bekommt sogar ein Bio-Erdbeer-Birnen Cider aus der Region. Wir sind nicht alleine am Meer, ein paar Teenie-Gruppen rennen kreischend in die Wellen, während Franz in drei Sprachen Happy Birthday singt und Yvonne Geburtstagsgrüße aus der Heimat, sowie ihre Geschenke annimmt. (Übrigens eine viertätgige Reise nach Wien im Herbst, die wir aber nicht bloggen werden :D) Vorher kommt das erste Mal Raymonds coole Kurbel-Taschenlampe zum Einsatz, die uns mit schaurigem Sound sicher am Friedhof vorbeibringt.

Fazit des Tages Yvonne: Langsam werden die Jahreszahlen scary... Danke auf diesem Weg noch einmal für alle Glückwünsche und SMS und, die zähl ich natürlich auch, verpassten Anrufe, so 26 an der Zahl - an die Fehlenden: I know who you are :D Ich weiß gar nicht mehr genau wann ich das letzte Mal nicht zu Hause gefeiert habe, Paris klar, aber da war noch was zwischen. Ich freu mich drauf mit euch nachträglich anzustoßen und euch bei der Gelegenheit mit einer 2000 Bilder Dia-.Show zu beglücken.. ;) Franz kann übrigens schon ganz annehmlich Stolat singen. Ich denke noch zwei, drei Familienfeiern, dann hat er es perfekt drauf...wenn er nicht immer mit Werfen abgelenkt wird.
Fazit Franz: Royal müsste man sein

Samstag, 27. Juni 2009

07 St. Ives

Mike macht seine Drohungen wahr. Das Frühstück ist einfach nur oberköstlich. Selbstgebackenes Brot, Cornflakes, Früchte, Tee & Kaffee und vor allem: Selbstgebackene Scones! Die toppen alles, was wir bisher hier an Gepäck verputzt haben. Scones haben einen leichten Hang zum Muffin und man sieht, wie die Pärchen bei den anderen drei Tischen sich alle heimlich einen Extra-Scone in die Serviette hüllen und in den Taschen verschwinden lassen. Das war jedoch "nur" das "Buffet". Gill, die Herrin des Hauses, mit einem Notizblock bewaffnet und Schürze um, nimmt unsere Bestellung auf. "Tee oder Kaffee?", "Full English Breakfast, Toast mit Bacon und Champignons, Muffins mit Rührei und Lachs oder Porridge mit Waldfrüchten?" und "braunen oder weißen Toast"? Full Englisch kennen wir ja bereits, also schauen wir, was der Lachs-Ei-Muffin (Y) und der Speck-Champignon-Toast so kann und schmelzen dahin. Köstlich! Hier gehen wir nie wieder fort und was für ein nettes Ambiente, was für eine tolle Sicht aufs Meer aus dem Frühsstücksraum! Überhaupt hat sich die Kombi öffentliche (privatisierte) Verkehrsmittel und B&B als ziemlich unschlagbar erwiesen was sowohl Preis als auch und besonders Leistung angeht.

Als Mike die Tische abräumt meint Franz aus Scherz zu ihm: "Du hast gelogen, du bist gar kein Vermieter, du bist Bäcker!" Antwort:"Nun ja, ich war tatsächlich 30 Jahre lang Bäcker. Als plötzlich nur noch mit Maschinen gebacken wurd bin ich auf Ingenieur umgesattelt und habe mich zwei Jahre lang auf Brot-Backmaschinen spezialisiert." Wir sind begeistert von seinen Küchenkünsten. Das Beste kommt noch: Mike verrät uns sogar sein Geheimnis für seine Eigeninterpretation von Scones. "Die anderen hatten stets einen Backpulver-Beigeschmack", bemerkte Yvonne nämlich. "Das ist das Geheimnis. Man kann viel weniger Backpulver nehmen, wenn man Buttermilch nimmt. Außerdem ein wenig Orangenschale hinein, das gibt dem ganzen eine dezente Muffin-Note." Jamie Oliver, Biolek und wie sie alle heißen, können einpacken. Lang lebe Mike!

Nach einer Folge Friends zur Verdaung schmeißen wir uns wieder in die Badeklamotten, das sieht nach so einem Frühstück zwar nicht mehr knackig aus, aber was soll´s. Heute wollen wir einen Tag an diesem Traumstrand mal die Seele baumeln lassen. Der Himmel ist genauso blau wie das glasklare Meer. Dank aktueller HItzewelle ist sehr warm und da noch nicht Hauptsaison ist (die fängt erst im Juli an) ist der Strand schön leer. Wir legen uns sogar noch bewusst neben eine englische Dreiergruppe, um deren geselligen Kommentare zu lauschen und nicht ganz das Robinson-Gefühl zu bekommen. Nachdem Yvonne gestern schon einen Sprung ins Kalte Nass gemacht hat (fuck Renaud, der sogar ziemlich wegblieb!), traut sich sogar Franz in den Atlantik, schwimmt und taucht eine Runde. Hier gibt es nichts außer dem hellen Sand auf den Boden, keine Algen, keine Muscheln - nothing,. So, als wäre der große Teich ein Schwimmbad. Traumhaft, fantastisch. (Anm.Y: die Krebse hat er nicht gesehen.. ;))

Unsere Klatschgazetten sind ebenso halb durch wie wir. Man grillt schon sehr schnell unter britischer Sonne, Franz tendiert schon wieder leicht zum Sonnebrand. Um 2-3 Uhr überlegen wir, ob wir einen Stadtbummel machen oder uns die Tate Gallery anschauen. Aber nach hypermodernen Strichen auf Leinwand oder abstrakt reduzierten Vasen ist uns heute nicht so, also schlendern wir durch die vielen Surfershops, essen Bio-Eis aus der Region, schlürfen Milkshakes und genießen la british vita, ehe wir noch einmal für ein finales Sonnen am Strand antreten. Wir fühlen uns noch immer wie in der Südsee.

Etwa um 6 (da beginnt Franz´ Fütterungszeit, gegen 7.30pm wird er dann echt ungemütlich ;)) traben wir nach Hause, schließlich wollen wir diesmal nicht wieder zu spät in den Lokalen zum Essen sein. Gill meinte heute morgen bereits, dass es Samstags ohne eine Reservierung schwer sei was zu bekommen. Das merken wir auch an "The Mermaid", wo man uns mit "fully booked" abwinkt. Obwohl der in unseren Augen geselligste Pub "The Sloop Inn" (natürlich laut Schild der älteste Pub, von 13nochwas..) schon gestern überquoll, werfen wir auch hier einen hungrigen Blick hinein. Zwar sind alle Tisch voll, aber mit ein wenig Warten könnte sich das gleich ändern, meint der französische Kellner, der weder Englisch sprach, noch Englisch verstand. Yvonnes Jahre in Paris machen sich mal wieder bezahlt. Zügig fanden wir samt "Cornish Pear Rattler" Platz und schlagen wieder beim lokalen Fisch zu. Franz ordert Muscheln in Weißwein-Sauce mit Pommes, Yvonne ein Filet of Cornish Cod mit Kartolffeln, Salat plus Gemüse aus der Region! Ein Festessen! Wieder einmal an "Freshness" nicht zu überbieten, die Portionen sind schön üppig, alles erstklassig und das alles für gute 8 GPB pro meal, während es bei der schnieken Konkurrenz erst ab 12-13 Pfund losgeht. Wir trinken noch ein paar Pints um die Zeche anzugleichen auf unseren neuen Stammpub und wackeln irgendwann glücklich und zufrieden mit 40% Steigung bei 1° nach Hause.

Im Fernsehen fängt gerade "Der Staatsfeind Nummer 1" an, an dem wir kleben bleiben, auch wenn Franz schon nach einer halben Stunde einpennt. Ich (Y) schaue mir nach dem Blockbuster sogar noch ein paar Takte vom Kasabian-Gig von Glastonbury an (meine Jungs) und wundere mich wie groß die Combo hier ist. Wir überlegen nächstes Jahr Glastonbury zu machen:1. können wir dann wieder hierhin kommen, 2. versuchen die Veranstalter alle Headliner aus 40 Jahren Glastonbury zu gewinnen, denn genau 3. da ist dann großes Jubiläum. Und ich wollte mir sowieso noch schicke Gummistiefel zulegen - denn - trotz Hitzewelle - in Glastonbury hat es natürlich pünktlich zum Festival wie aus Gießkannen geregnet.

Fazit des Tages:
Francois: Am Meer kann man immer noch am besten entspannen, sinnieren und die Akkus aufladen. Obwohl die Küstenwanderung gar nicht sooo lange zurückliegt, fühle ich mich richtig erholt von den 1,5 Tagen Strand. Das war auch schwer nötig nach dem letzten busy year.
Yvonne: Ich perfektionistische Ewigkritikerin bin einfach nur zufrieden und glücklich. Ich bin so froh, dass wir die aufwendige Planung in Kauf genommen haben, es hat sich wirklich gelohnt und ich würde mich sehr freuen, wenn der ein oder andere von euch vielleicht dadurch auch mal Lust auf die Tour bekommen hat. Außerdem merke ich, dass ich die ganze Zeit euch den Orten zuordne, also etwa so: Resi und Dani sind Bath, Mama und Bea und Joey vielleicht Glastonbury, Achim, Peter und Raymond Boscastle, Petra, Marij und Clair St. Ives, Papa und Jaap Tintagel und die Jurassic coast usw.

Freitag, 26. Juni 2009

06 Boscastle - St. Ives

Nach der Mörderwanderung gestern kommt uns ein Tag mit viel Reisen entgegen. Dabei haben wir überhaupt keinen Muskelkater! Yvonne schaltet pünktlich um 8 das Frühstücksfernsehen ein, die im Nebensatz melden, Michael Jackson sei tot. Zunächst glauben wir unseren Englischkenntnissen nicht ("Michael Jackson died") nicht, als das dann doch Topthema in den Nachrichten wird und wir die Bilder sehen, begreifen wir den Ernst der Lage. Nach dem Frühstück checken wir in Ruhe aus und wollen uns noch oben auf dem Hügel den anderen Teil von Boscastle ansehen, in dem ich einige süße, bunte Cottages verstecken. Überhaupt sind die klassischen Dörfer hier alle sehr langgestreckt entlang der Hauptstrasse aufgebaut. In England wird man außerdem ständig begrüßt und angesprochen, der Engländer scheint einen kleinenSchwatz mit Wildfremden zu schätzen, der aber 2-3 Minuten nicht übersteigen sollte. So auch oben auf dem Hang, wo uns eine Dame "Good Morning" wünscht und mit plötzlich weit aufgerissenen Augen hinterherschiebt: "Michael Jackson is dead!", was das Phänomen "Jacko" doch ganz gut beschreib hier am Ende der (britischen) Welt. Sie ist ziemlich enttäuscht, uns mit der heißen News nicht überraschen zu können.

Um 10 wollen wir den Bus ab Boscastle nehmen. Als es jedoch soweit ist, steht der 94er, statt dem 95er Bus mit falschen Fahrtziel vor uns. Wir bleiben zunächst stehen, der Busfahrer bemerkt anscheinend unsere Verwirrtheit und kurbelt oben an seiner Armatur herum. Ah ja: Da steht jetzt auf einmal unser Ziel und unsere Nummer. Prima, wir steigen ein. Genauso muffellig wie der Fahrer uns begrüßt fährt er auch. Wir sind ja mittlerweile einiges an Achterbahnfahrten gewohnt und auch diesmal kommen wir ganz auf Kosten: Egal wie eng die einspurige Bahn auch ist, unser Bus nimmt sich immer die Vorfahrt.

Nach anderthalb Stunden müssten wir eigentlich umsteigen und wir haben schon Panik da für den Wechsel nur 2 Minuten Zeit bleiben und eine Unpünktlichkeit unseren Plan komplett durcheinander schmeißt. Als wir samt Gepäck aussteigen wollen begreifen wir erst, was der weiterherhin stinkige Busfahrer damit meinte, als er sagte, wir könnten im Bus bleiben. Wir müssen nämlich nicht umsteigen, sondern der Busfahrer! Der Neue ändert wieder rasch die Nummer und schwupps sitzen wir wieder im richtigen Bus. So machen die Anschlüsse Spaß! Auch in St. Columb Major und Truro, Cornwalls Hauptstadt by the way, dasselbe Spiel: Wir müssten eigentlich umsteigen, können aber sitzenbleiben. Konkret heißt das: Wir konnten vor unserer Haustür in einen Bus einsteigen, der uns nach zwei Stunden direkt am Ziel-Bahnhof aussetzte, statt stressigem 4mal umsteigen wie geplant. Darauf erstmal Kaffee und Kuchen bei Pumpkin, der Marke unseres Vertrauens, wenn es um Bahnhofs-Picknicks geht.

Die Zugfahrt von Truro nach St. Erth. ist komfortabel, bequem und kurz, die darauffolgende halbe Stunde Warten geht auch vorbei. Als wir jedoch im finalen Zug nach St. Ives stecken, passiert etwas Merkwürdiges: Wir kommen aus einem Tunnel heraus und auf einmal geht ein lautes "Woohhh!" Durch den Zug. Besser: Die meisten stehen auf und stellen sich auf die linke Seite. Da spalten sich die Greenhorns von den "Locals". Plötzlich aus dem Tunnel raus, denkt man, dies sei nicht mehr in England, denn karibische Traumstrände mit hellblauem Wasser, feinem hellem Sand und Sonnenschein begrüßen uns mit offenen Armen. Uns fallen echt die Augen aus dem Kopf, wir sind im Paradies und wollen jetzt nur noch an den Strand.

Vorher müssen wir aber noch einchecken, um die Koffer loszuwerden. 300 Höhenmeter später (!) sind wir einmal quer durch St.Ives gehechelt, ein wirklich tolles Örtchen, mit einigen Geschäften und ner Menge Flair sowie dem obligatorischen Gruselfriedhof in Luxuslage mit Meerblick. Hier ist richtig was los und reichlich Urlaubsstimmung. Das Ten Ocean View, unser Bed & Breakfast, macht seinem Namen alle Ehre. Es ist nur einen Steinwurf zum nächsten Strand entfernt und egal ob im Haus oder im süßen Gärtchen (allerdings nicht von unserem Zimmer), überall hat man Blick auf das Meer.

Mike, Ire und Herr des Hauses, begrüßt uns äußerst herzlich, schimpft, dass wir ihn nicht angerufen haben, um uns vom Bahnhof abzuholen und will erst einmal einen Tee mit uns trinken. Er zeigt uns unsere Bleibe und stellt klar: "If you go out hungry in the morning, it is your fault (zeigt bestimmt auf Yvonne) and your fault (nun auf Franz), not mine." Nachdem er uns angeboten hat, dass wir seinen ganzen Haushalt übreall mitnehmen dürfen, nehmen wir eine seiner Matten, schmeißen uns in die Badeklamotten und hauen uns an den Strand.
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St. Ives hat drei Buchten: Einen Traumstand am Bahnhof, dem daher wohl schönsten Bahnhof der Welt, einen Hafen und ein weiteres Bade-Idyll direkt vor unserer Bleibe. Neben dem üblichen Schnick-Schnack wie Surfschule und Kiosk liegt direkt am Strandeingang und neben dem Friedhof... ein Ableger der Tate Gallery, mit moderner und lokaler Kunst. Denn St. Ives ist seit Ende des 19. Jhd. ein bekannter Künstlerort, was man auch an einer ähnlichen Galeriedichte wie in Berlin Mitte unschwer erkennen kann.

Ein anderes Wahrzeichen von St. Ives sind dessen Möwen. Bereits am Bahnhof wird man darauf hingewiesen, dass diese sehr agro sein könnten. Möglichst nicht unter freiem Himmel essen, von Füttern ganz zu schweigen. Okay, die Geräuschkulisse erinnert an Hitchcocks "Vögel", den Grad der Brutalität erkennen wir allerdings erst am Strand, nachdem wir durchs Wasser gewatschelt sind und uns mit englischen Klatschgazetten versorgt niederlassen. Ein unbeobachteter Moment und Zack! klaut das gewiefte Biest den Nachmittagskuchen der Familie neben uns, der sich unsichtbar verpackt in einer braunen Papiertüte befindet. Während die Möwe mit der Tüte gelassen von dannen watschelt, hetzt der Familienvater hinterher, scheitert mit seinen Einschüchterungsversuchen kläglich und droht dem gefiederten Dieb darauf mit den Worten: "Warte bis meine Frau kommt." Die sonst so coole Möwe lässt dann auch tatsächlich die Tüte fallen, als sich die besagte Dame mit großer Schaufel aus dem Zelt herausstampfend nähert und flucht: "Give me my cake!". Noch gefährlicher ist es, die Sachen alleine zu lassen, dann inspizieren die Tiere das ganze Hab und Gut und zwar gründlich, sogar unter den Socken in den Sneakers wird gesucht. Wenn mal gerade nichts zu holen ist, da ist, versuchen die Biester einen leeren Pizzakarton zu falten und irgendwie noch in den Schnabel zu würgen oder einfach ihren Nebenmann (vogel) anzuknabbern. Als Yvonne sich spontan zurücklehnt, hört man plötzlich ein Tapsen ein paar Zentimeter vom Ohr entfernt. Als ich (Y) den Feind in die Flucht schlage (ohne Schuhwurf, wie bei unseren Nachbarn) baut sich dieser zwei Meter vor mir auf. Showdown. Wir starren uns einige Minute böse in die Augen, dann endet das Kräftemessen mit einem Sturzflug auf mich zu. Ich bleibe siegreich, ein Gast im Pub am nächsten Tag hingegen hatte das Nachsehen: Ihn biss die Möwe ins Ohr und schiss ihm darauf die Schulter voll. Wie gesagt: "Die Vögel" live und nichts für schwache Nerven.

Davon abgesehen, ist der Ort ein Traum. So einen tollen Strand, so tolles Meer haben wir hier trotz ausgiebiger Vorabrecherche nicht erwartet. Mit Sonne aufgetankt suchen wir abends noch etwas zu Essen, doch irgendwie sind wir spät dran (es ist gerade mal 20.°° Uhr durch) und nichts sagt uns so Recht zu. So dass wir uns für eine Monsterportion Fish & Chips am Hafen entscheiden. Auch wenn wir diese aus Angst vor Luftangriffen mit äußerster Vorsicht genießen, ist das Mahl stimmig zur Szenerie und wir fühlen uns pappsatt. Die netten Pubs sind alle extrem voll, deswegen holen wir uns nur je eine Büchse Cider und schauen auf unserem Zimmer noch ein paar Specials zu Michael Jackson und eine Liveschalte vom Neil Young-Konzert aus Glastonbury. Übirgens fällt auf, dass die englische Berichterstattung ob im TV oder in Print wesentlich bissiger, ironischer, ehrlicher und dadurch unterhaltsamer ist, als das Lenor-Zeug, was bei uns immer verlangt wird.

Fazit des Tages:
Francois: Klippen, Kultur, Tea Time und nun Traumstrand. Wir haben einen Eierlegendewollmilchsau-Trip - herrlich, der alle Klischees von England wegspült. Ich bin in Urlaubsstimmung!
Yvonne: Kommt St. Ives von Yvonne? Ich fröne mal wieder meinem Hobby - potentielle Häuserschau und frage mich mal wieder, warum man nicht einfach sein Leben an einen solchen Ort verlegt. Ich wünsche mir sehr, dass es euch alle mal zumindest für ein paar Tage hierhin verschlägt!