Schon gestern haben wir uns aufs nächste Frühstück gefreut, obwohl wir hier immer um 7.50 dafür aufstehen müssen. Besser noch: Obwohl wir nicht die Ersten sind, ergattern wir dennoch den Super-Platz vorne am Panorama Fenster. Das andere Pärchen überließ uns den Vortritt: "Wir sehen dieselbe Aussicht ja die ganze Zeit von unserem Schlafzimmer aus." Wie nett. Während Franz demselben "Menü" wie gestern vertraut, versucht sich Yvonne am Porrdige. Hatte sie sich sowieso vorgenommen und wenn nicht von Mike, von wem dann? Das schmeckt übrigens wie heiße Buchweitzengrütze in süß mit Früchten und ist echt lecker.
Wieder einmal haben wir alles richtig gemacht. Heute hattten wir uns nämlich den Rundreise-Tag in Cornwall vorgenommen und die Wolken am Himmel sprechen sowieso gegen einen Strandtag. Ab St. Ives fährt alle zwei Stunden ein Bus - der cornish explorer - im Kreis durch die Westspitze Cornwalls, der an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten und Orten hält. Man kann aussteigen, besichtigen und ein, zwei Stunden später die Rundreise fortsetzen - und das Flatrate für 6,50 GBP pro Nase. Da wir früh dran sind gehen wir noch schnell in den Oxfam Shop, hier werden gespendete second hand Sachen für einen guten Zweck verkauft. Ich (Y) will mir doch noch ein Jane Austen Buch kaufen, da "nur" Reiseplanung, Reiseführer und bloggen mich noch nicht völlig ausfüllen. Als ich danach frage, entgegnet die Verkäuferin schockierenderweise: "Jane Austen, is this the name of the author or the book?" WAS??? Ihre Kollegin zeigt mir darauf schnell die "classics" Abteilung und ich erstehe "Northanger Abbey" und schwelge fortan in Bath-Erinnerungen.
Der erste "wichtige" Stopp ist der St. Michael`s Mount, den wir uns beide unbedingt anschauen wollen. Ob die Anlage auf der Insel nun ursprünglich eine Burg, Schloss oder Kloster war wissen wir nicht mehr so genau, jedenfalls soll hier mal ein paar Fischern auf dem Felsen, den ein Riese erbaut hat, der heilige Michael erschienen sein. ok, wahrscheinlich war´s zuerst ein Kloster. Das Besondere daran ist jedenfalls - ebenso wie beim fast baugleichen und gleichnamigen aber später errichteten französischen Pendant Mont St.Michel - dass man bei Ebbe zu Fuß vom Festland zur Sehenswürdigkeit waten kann. Doch als wir aus dem "Cornish Explorer" aussteigen, herrscht nicht nur Flut, auch die ersten Regentropfen unserer bisherigen Reise (!!!) kommen so langsam vom Himmel (es bleibt aber bei knapp einem Dutzend...). Wir erwischen aber gerade noch ein Boot, dass uns für 1,50 rüberschifft. Ebenso wie die Busfahrten war auch diese Reise eine "wacklige" Angelegenheit, widerum sehr zum Vergnügen der Achterbahnkönigin Yvonne.
Die Anlage sieht in real noch viel beeindruckender und größer aus, als im Reiseführer. Auf der Part-time-Insel steht ein großartig erhaltenes Schloß, umgeben von tollen Terrassen-förmig angelegten Gärten. Wir trotten vom Quai einfach in ein Häuschen, dass wie die Kasse aussieht. Schweigend stehen wir im Raum, ein paar andere schicke Leute, darunter ein höherer geistlicher Würdenträger warten ebenfalls und schauen uns nach 1-2 Minuten fragend an. "Warten sie auch?", fragt der eine. Wir bejahen. Schweigen. Jetzt kommt uns die Sache langsam komisch vor. Yvonne brichht schließlich das Schweigen. "Wir wollten eigentlich Tickets kaufen?" Plötzlich lachen alle. "Oh"; sagt der Mann hinterm Schreibtisch, "die gibt es dort drüben, um die Ecke."
Ein wenig verunsichert durch die Lacher (meine Frage war aber sowohl von der Betonung wie auch gramatikalisch korrekt) trollen wir uns 100 Meter weiter zum jetzt ersichtlichen Touristenstrom. Natürlich gibt es auch hier einen National Trust Shop (die sind etwa so häufig wie Starbucks in Amerika) und im Nebenraum des Shops läuft der obligatorische Einführungsfilm, den wir sehr zu schätzen gelernt haben. Dann geht´s mal wieder bergauf zur Burg. Nicht nur die Anlage sieht von außen beeindruckend aus, die Gärten und Ställe sind ebenfalls beeindruckend für die räumliche Enge mitten im Meer. Der Garten hat geschlossen und kann nur am Wochenende besichtigt werden. Da wir es aunahmsweise einmal nicht mit einer Ruine zu tun haben, hat das ganze sogar ein Innenleben, sogar ein recht pompöses. Eigentlich darf man dort keine Innenaufnahmen machen, doch Warnschilder und Aufseher halten einen motivierten holländischen Touristen nicht auf (die Kamera für Franz war eine blendende Idee, auch wenn er als Fotograf langsam ähnlich extatische und diktatorische Züge annimmt wie ich.. :)). Die prunkvollen Räume üerbliefern einen guten Eindruck davon, wie es vor Hunderten von Jahren hier aussah. Das man aus allen Fenstern das Meer sah, ist damals wie heute beeindruckend. Auch ein Eyecatcher: Ein Original-Stoffstück und Haare Napoleons während der Schlacht von Waterloo ergattert! Klar, dass sich die Engländer freuen, wenn die Franzosen baden gehen...
Oben im Hof treffen wirauf Renate, Roswitha, Uschi und Gisela (kein Scherz!), einer deutschen Reisegurppe, samt männlichem Anhang. Viele Deutsche sind hier und heute nämlich unterwegs. Normalerweise sollte man deren Kommentare überhören, denn oft kommt entweder blanke Unwissenheit oder Unhöfflichkeiten dabei herum, als Renate doch plötzlich ihrem Mann zuruft: "Gucke mal, da unten, das is doch der Charles!´" "Meinste?", lacht die bessere Hälfte. "Ja sischer! Der ist auch doch so groß für einen Royal. Daran hab isch den erkannt." Yvonne hält aus Reflex einfach mal mit der Kamera unten auf den Garten (der für diese Gruppe offenbar nicht geschlossen ist..) und tatsächlich: Da stehen Leute mit reichlich Lametta auf den Uniformen. Da wir die royalen Seegelohren aus der Entfernung nicht einwandfrei identifizieren können, wollen wir beide jedoch noch nicht so Recht daran glauben. Das wäre ja schon ein sehr großer Zufall, der unsere Reise mit His Royal Highness oder wie auch immer das korrekt heißt, krönt. Grinsend gehen wir weiter Richtung Kapelle, die relativ groß ist für so eine Burganlage.
Seltsamerweise standen dort ebenfalls ein paar Sicherheitsleute, die alle ein giggelnd nervös hin und her laufen. Ein Junge in Uniform ist ein bißchen bleich um die Nase und bekommt von der Dame aus dem vermeintlichen Kassenhäuschen genaue Anweisungen: "...Nachdem der Begrüßung, ziehen sie sich einige Meter zur hinteren Bank zurück, bis Charles an ihnen vorbei ist, danach erhalten sie weitere Anweisungen..." Die Dame scheint sowas wie der Zereonienmeister zu sein, die überall schon einmal vorgeht und sagt, wie was wo abzulaufen hat. Presse und Kameras sind nicht anwesend, der Prince of Wales scheint also privat hier zu sein. Was auch der folgende Funkspruch bestätigen würde, den Franz mitbekommt: Knister, dann eine monotone Stimme: "Receiving Cake." Over and out. Spätestens jetzt sind wir von der Besichtigung abgelenkt und grinsen wie zwei Honigkuchenpferde. Am Ausgang treffen wir Renate und die anderen golden Girls, die immer noch rätseln, ob "er dat denn tatsächlich war", ihre Männer bezweifeln dies nämlich stark und machen sich ein wenig darüber lustig. Als wir der Gruppe jedoch bestätigen, dass "er" tatsächlich anwesend ist, schien ihr Tag gerettet. Die Gruppe hat den Spaß ihres Lebens und wird beim nächsten Stammtisch in wo auch immer wird das Thema des Tages sein.
Doch auch ohne Charles ist St. Michael`s Mount wirklich toll und hat die Reise gelohnt. Leider reicht die Ebbe jedoch noch nicht aus, um per pedes zurück zum Festland zu gelangen, also nehmen wir nochmal das Wassertaxi. Leider verpassen wir den Bus um ein paar Minuten und hängen für knapp 2 Stunden im sonst eher toten Örtchen fest. Aber wofür gibt es denn die Tea time? Leider präsentiert das Café das Gegenteil von Mikes Schlemmerkünsten. Mittlerweile ist Ebbe, der royale Jeep nebst Entourage bahnt sich seinen Weg über den aus den Fluten aufgetauchten Pfad und auch wir wollen noch einmal zu Fuß zum Mount gehen, einfach "um es getan zu haben".Einen Tick früher als der Explorer kommt ein anderer Bus nach Penzance, den wir nehmen, um uns das vergleichsweise größere Örtchen kurz anzuschauen, ehe der leider letzte Explorer des Tages die Rückfahrt startet.
Penzance erinnert Franz ein wenig an Brighton, wenn auch nicht ganz so "szenig" und groß. Es gibt einen Hafen, Geschäfte und wahrscheinlich viel zu tun. Gerade ist Piratenkirmes. Man trägt historisch anmutende Aufsteck-Schnallen auf den Sneakers und fuchtelt mit Plastiksäbeln. Schon die Jugend rüstet sich hier gleich ihren kämpferischen Vorfahren mit Camouflage-Helmchen und Plastikautomatikknarren zeitgemäß. Unser Favorit ist jedoch der kindgerechte Panther 2-Panzer Luftballon! Lilly und David machen hier häufig Urlaub (...), doch für mehr als eine halbe Stunde rumbummeln reicht die Zeit nicht (Sorry David).
Der pünktliche Cornish Explorer ist ein Doppeldecker-Cabrio. Von oben hat man zwar eine super Sicht, riskiert aber Kopf und Kragen. Weder Fahrstil noch Fahrbahn unterscheiden sich von denen normaler hiesiger Busse. Yvonne versteht, woher J.K. Rowling die Idee für den "Fahrenden Ritter" hat, während Franz sich vergebens versucht irgendwo festzuklammern, doch es gibt weder Stange noch Gurt und nach jedem Hügel oder Vollbremsung muss man schon ein wenig sein Gewicht verlagern, um nicht bedrohlich nah an die Ballustrade katapultiert zu werden. Aber die Strapazen lohnen sich, wir fahren an Steinkreisen vorbei und erkunden gute zwei Stunden lang zwar ein bißchen erfroren und mit Fliegen zwischen den Zähnen, den ganzen westlichen Zipfel Großbritanniens. Leider reicht die Zeit nicht mehr das "Minnack Theatre" zu besichtigen, ein spektakuläres Amphi-Freilicht-Theater direkt an den Klippen. Land`s End, dem allerwestlichsten Punkt Englands, trauern wir indes nicht hinther, denn zu sehen gibt es hier eh nichts, außer einem Schild und die Klippen samt dem Ozean, den wir ja in aller Pracht die letzten fünf Tage genossen haben. Außerdem muss man dafür Eintritt zahlen und für die Wartezeit bis zum nächsten Bus werden die Besucher durch eine Shoppingmall gelotst. Absoluter Nepp. Nach Land`s End entdecken wir, dass wir Cornwall mittlerweile sehr gut kennen. Einspurige Straßen, Klippen, Grün uns fallen nacheinander die Augen zu, verschlafen aber immerhin die Ruinen alter Zinnminen und unseren Ausstieg in St. Ives nicht.
Never change a winning team, kein langes Fackeln, also gehen wir noch einmal ohne Umwege straight ahead ins "Sloop Inn". Eisern halten wir an unserer Haltung fest, weiterhin Fisch zu essen, so lange er so frisch aus dem Meer geangelt wird. Für Fleisch bleibt ja noch die kommende Woche. Wir bestellen noch einmal den Cod von gestern, eine Gemüsesuppe als Starter, sowie ein Trio of Cornish Fish, welche mit einer cremigen Brandy-Sauce serviert wird. Wie immer: Absolut köstlich. Nachdem der Pegel im Pint auf Null abgesunken ist, schlurfen wir nach Hause, um schon einmal zu packen und im Web unsere weiteren Verbindungen auszugoogeln. Wir wollen nämlich auf Yvonnes Geburtstag am Strand mit einer Dose Cider anstoßen. Das Geburtstagskind bekommt sogar ein Bio-Erdbeer-Birnen Cider aus der Region. Wir sind nicht alleine am Meer, ein paar Teenie-Gruppen rennen kreischend in die Wellen, während Franz in drei Sprachen Happy Birthday singt und Yvonne Geburtstagsgrüße aus der Heimat, sowie ihre Geschenke annimmt. (Übrigens eine viertätgige Reise nach Wien im Herbst, die wir aber nicht bloggen werden :D) Vorher kommt das erste Mal Raymonds coole Kurbel-Taschenlampe zum Einsatz, die uns mit schaurigem Sound sicher am Friedhof vorbeibringt.
Fazit des Tages Yvonne: Langsam werden die Jahreszahlen scary... Danke auf diesem Weg noch einmal für alle Glückwünsche und SMS und, die zähl ich natürlich auch, verpassten Anrufe, so 26 an der Zahl - an die Fehlenden: I know who you are :D Ich weiß gar nicht mehr genau wann ich das letzte Mal nicht zu Hause gefeiert habe, Paris klar, aber da war noch was zwischen. Ich freu mich drauf mit euch nachträglich anzustoßen und euch bei der Gelegenheit mit einer 2000 Bilder Dia-.Show zu beglücken.. ;) Franz kann übrigens schon ganz annehmlich Stolat singen. Ich denke noch zwei, drei Familienfeiern, dann hat er es perfekt drauf...wenn er nicht immer mit Werfen abgelenkt wird.
Fazit Franz: Royal müsste man sein
Sonntag, 28. Juni 2009
Abonnieren
Posts (Atom)
