Samstag, 27. Juni 2009

07 St. Ives

Mike macht seine Drohungen wahr. Das Frühstück ist einfach nur oberköstlich. Selbstgebackenes Brot, Cornflakes, Früchte, Tee & Kaffee und vor allem: Selbstgebackene Scones! Die toppen alles, was wir bisher hier an Gepäck verputzt haben. Scones haben einen leichten Hang zum Muffin und man sieht, wie die Pärchen bei den anderen drei Tischen sich alle heimlich einen Extra-Scone in die Serviette hüllen und in den Taschen verschwinden lassen. Das war jedoch "nur" das "Buffet". Gill, die Herrin des Hauses, mit einem Notizblock bewaffnet und Schürze um, nimmt unsere Bestellung auf. "Tee oder Kaffee?", "Full English Breakfast, Toast mit Bacon und Champignons, Muffins mit Rührei und Lachs oder Porridge mit Waldfrüchten?" und "braunen oder weißen Toast"? Full Englisch kennen wir ja bereits, also schauen wir, was der Lachs-Ei-Muffin (Y) und der Speck-Champignon-Toast so kann und schmelzen dahin. Köstlich! Hier gehen wir nie wieder fort und was für ein nettes Ambiente, was für eine tolle Sicht aufs Meer aus dem Frühsstücksraum! Überhaupt hat sich die Kombi öffentliche (privatisierte) Verkehrsmittel und B&B als ziemlich unschlagbar erwiesen was sowohl Preis als auch und besonders Leistung angeht.

Als Mike die Tische abräumt meint Franz aus Scherz zu ihm: "Du hast gelogen, du bist gar kein Vermieter, du bist Bäcker!" Antwort:"Nun ja, ich war tatsächlich 30 Jahre lang Bäcker. Als plötzlich nur noch mit Maschinen gebacken wurd bin ich auf Ingenieur umgesattelt und habe mich zwei Jahre lang auf Brot-Backmaschinen spezialisiert." Wir sind begeistert von seinen Küchenkünsten. Das Beste kommt noch: Mike verrät uns sogar sein Geheimnis für seine Eigeninterpretation von Scones. "Die anderen hatten stets einen Backpulver-Beigeschmack", bemerkte Yvonne nämlich. "Das ist das Geheimnis. Man kann viel weniger Backpulver nehmen, wenn man Buttermilch nimmt. Außerdem ein wenig Orangenschale hinein, das gibt dem ganzen eine dezente Muffin-Note." Jamie Oliver, Biolek und wie sie alle heißen, können einpacken. Lang lebe Mike!

Nach einer Folge Friends zur Verdaung schmeißen wir uns wieder in die Badeklamotten, das sieht nach so einem Frühstück zwar nicht mehr knackig aus, aber was soll´s. Heute wollen wir einen Tag an diesem Traumstrand mal die Seele baumeln lassen. Der Himmel ist genauso blau wie das glasklare Meer. Dank aktueller HItzewelle ist sehr warm und da noch nicht Hauptsaison ist (die fängt erst im Juli an) ist der Strand schön leer. Wir legen uns sogar noch bewusst neben eine englische Dreiergruppe, um deren geselligen Kommentare zu lauschen und nicht ganz das Robinson-Gefühl zu bekommen. Nachdem Yvonne gestern schon einen Sprung ins Kalte Nass gemacht hat (fuck Renaud, der sogar ziemlich wegblieb!), traut sich sogar Franz in den Atlantik, schwimmt und taucht eine Runde. Hier gibt es nichts außer dem hellen Sand auf den Boden, keine Algen, keine Muscheln - nothing,. So, als wäre der große Teich ein Schwimmbad. Traumhaft, fantastisch. (Anm.Y: die Krebse hat er nicht gesehen.. ;))

Unsere Klatschgazetten sind ebenso halb durch wie wir. Man grillt schon sehr schnell unter britischer Sonne, Franz tendiert schon wieder leicht zum Sonnebrand. Um 2-3 Uhr überlegen wir, ob wir einen Stadtbummel machen oder uns die Tate Gallery anschauen. Aber nach hypermodernen Strichen auf Leinwand oder abstrakt reduzierten Vasen ist uns heute nicht so, also schlendern wir durch die vielen Surfershops, essen Bio-Eis aus der Region, schlürfen Milkshakes und genießen la british vita, ehe wir noch einmal für ein finales Sonnen am Strand antreten. Wir fühlen uns noch immer wie in der Südsee.

Etwa um 6 (da beginnt Franz´ Fütterungszeit, gegen 7.30pm wird er dann echt ungemütlich ;)) traben wir nach Hause, schließlich wollen wir diesmal nicht wieder zu spät in den Lokalen zum Essen sein. Gill meinte heute morgen bereits, dass es Samstags ohne eine Reservierung schwer sei was zu bekommen. Das merken wir auch an "The Mermaid", wo man uns mit "fully booked" abwinkt. Obwohl der in unseren Augen geselligste Pub "The Sloop Inn" (natürlich laut Schild der älteste Pub, von 13nochwas..) schon gestern überquoll, werfen wir auch hier einen hungrigen Blick hinein. Zwar sind alle Tisch voll, aber mit ein wenig Warten könnte sich das gleich ändern, meint der französische Kellner, der weder Englisch sprach, noch Englisch verstand. Yvonnes Jahre in Paris machen sich mal wieder bezahlt. Zügig fanden wir samt "Cornish Pear Rattler" Platz und schlagen wieder beim lokalen Fisch zu. Franz ordert Muscheln in Weißwein-Sauce mit Pommes, Yvonne ein Filet of Cornish Cod mit Kartolffeln, Salat plus Gemüse aus der Region! Ein Festessen! Wieder einmal an "Freshness" nicht zu überbieten, die Portionen sind schön üppig, alles erstklassig und das alles für gute 8 GPB pro meal, während es bei der schnieken Konkurrenz erst ab 12-13 Pfund losgeht. Wir trinken noch ein paar Pints um die Zeche anzugleichen auf unseren neuen Stammpub und wackeln irgendwann glücklich und zufrieden mit 40% Steigung bei 1° nach Hause.

Im Fernsehen fängt gerade "Der Staatsfeind Nummer 1" an, an dem wir kleben bleiben, auch wenn Franz schon nach einer halben Stunde einpennt. Ich (Y) schaue mir nach dem Blockbuster sogar noch ein paar Takte vom Kasabian-Gig von Glastonbury an (meine Jungs) und wundere mich wie groß die Combo hier ist. Wir überlegen nächstes Jahr Glastonbury zu machen:1. können wir dann wieder hierhin kommen, 2. versuchen die Veranstalter alle Headliner aus 40 Jahren Glastonbury zu gewinnen, denn genau 3. da ist dann großes Jubiläum. Und ich wollte mir sowieso noch schicke Gummistiefel zulegen - denn - trotz Hitzewelle - in Glastonbury hat es natürlich pünktlich zum Festival wie aus Gießkannen geregnet.

Fazit des Tages:
Francois: Am Meer kann man immer noch am besten entspannen, sinnieren und die Akkus aufladen. Obwohl die Küstenwanderung gar nicht sooo lange zurückliegt, fühle ich mich richtig erholt von den 1,5 Tagen Strand. Das war auch schwer nötig nach dem letzten busy year.
Yvonne: Ich perfektionistische Ewigkritikerin bin einfach nur zufrieden und glücklich. Ich bin so froh, dass wir die aufwendige Planung in Kauf genommen haben, es hat sich wirklich gelohnt und ich würde mich sehr freuen, wenn der ein oder andere von euch vielleicht dadurch auch mal Lust auf die Tour bekommen hat. Außerdem merke ich, dass ich die ganze Zeit euch den Orten zuordne, also etwa so: Resi und Dani sind Bath, Mama und Bea und Joey vielleicht Glastonbury, Achim, Peter und Raymond Boscastle, Petra, Marij und Clair St. Ives, Papa und Jaap Tintagel und die Jurassic coast usw.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen