Heute entscheiden wir uns einstimmig bewusst gegen gekochtes Frühstück. Irgendwann kommt einem das Zeug doch aus den Ohren raus. Nach den Cornflakes im natürlich komplett pinke vom Esszimmer (sogar mit rosa Teppichboden!), rollen wir samt Gepäck zur Shaftesbury Town Hall und setzen uns in den Direktbuss nach Salisbury. Im Doppeldecker werden wir wieder einmal Zeuge von "Heckenknuddlerei" der Güteklasse A, richtig: die einspurigen Straßen. Ein Jeep muss sogar eine halbe Meile rückwärts kurven, denn neben unseren Bus passt kein Blatt Papier mehr. Einmal müssen wir sogar so lange warten, bis eine Frau in Allerseelenruhe ihre Einkäufe aus dem Kombi schleppt, ehe sie die Bahn frei macht.
In Salisbury angekommen, sind wir erst einmal überrascht, wie viele Shops es hier doch gibt. Nach 40.000 Einwohnern sieht das hier überhaupt nicht aus. Man merkt: London rückt näher, die Orte werden urbaner. Ehe wir uns jedoch ins Getümmel stürzen, suchen wir unsere Bleibe für heute auf. Wir vertrauen derselben Hostelkette wie schon in Bath und checken im YHA Salisbury ein. Und siehe da: Wieder eine richtige Entscheidung. Erneut taucht nach einer langen Einfahrt eine tolle, alleinstehende Villa Kunterbunt auf, dieses Exemplar mit einem Mamutbaum davor. Die Zimmer sind auch prima, sogar besser als in Bath, weil das Bad fehlt.
Salisbury empfängt uns also mit offenen Armen. Wir bummeln ein wenig durch die Stadtmitte mit dem Ziel Kathedrale, die eine der schönsten Englands sein soll. Und in der Tat: Das helle Schmuckstück macht überhaupt nicht den Eindruck, als sei es Mitte des 13.Jhd. fertig geworden, übrigens in nur rekordverdächtigen 45 Jahren. Der Kirchenturm ist mit 123m übrigens der größte Englands, hat sich aber über die Jahre um 75cm gen Südwesten geneigt. Salisbury bringt quasi ein wenig Pisa-Feeling mit, der Tourguide: "Wir glauben zwar nicht, dass der Turm irgendwann mal umkippt, aber wenn sie sicher gehen wollen, bleiben sie auf der Ostseite." Sowieso hat man es hier nicht so mit der architektonischen Gründlichkeit: Die eigentliche, zuerst erbaute Kathedrale krachte kurz nach ihrer Weihung ineinander. Auch der zweite Anlauf sollte scheitern, weswegen man alles brach liegen ließ und hier, am Avon komplett neu ansiedelte. Die Ruine Old Sarum drei Meilen weiter nördlich kann man übrigens besichtigen.
Uns interessierte jedoch die so viel gelobte Marien-Kathedrale, die viele interessante Sehenswürdigkeiten, kleine wie große, beherbergt. Nach einer der ersten Uhren aus dem Mittelalter, die heute immer noch tickt und die Glocken läutet (allerdings nur stündlich), gehen wir an vielen Grabmälern vorbei, die irgendwann einmal hoch geholt wurden. Der Schrein von Osmund, machte wegen seiner Heilkräfte Salisbury zum Pilgerort. Das Reinhalten von Körperteilen in diesen Schrein (Sarg) soll Krankheiten entfernen und eigens für diesen Zweck hat man eine zweite Ummantelung mit Löchern angebracht. Auch eine Erwähnung Wert: Neue Chormitglieder werden vor ihrer ersten Probe mit dem Kopf gegen einen ganz bestimmten Stein gehauen. An der Stelle zeigt dieses Mauerstück den Verschleiß der vielen Jahrhunderte. Der große Schatz, befindet sich jedoch im Seitenschiff der Kathedrale: Eines der vier Originale der Magna Charta! Juristen vor: Diese regelte das Verhältnis von König zu seinen Untertanen neu und das so revolutionär, dass auf die Magna Charta die spätere Bill Of Rights und die amerikanische Verfassung zurückgehen, im Prinzip auch die Menschenrechte und damit legte sie den Grundstein für die Demokratie. Warum allerdings König John sich im Jahr 1215 zu einem solchen Machtverlust per Dekret hinreißen ließ ist uns gerade nicht geläufig. Jedenfalls ist das gute Stück recht unspektakulär, kleinhandschriftlich und ohne Siegel etc., wahrscheinlich weil es sich um eine der offiziellen Abschrift handelt, außerdem auf Latein - Franz ist enttäuscht, hätte es sich entsprechend der Bedeutung viel größer vorgestellt und sieht sich daher auch nicht veranlasst das strikte Fotoverbot einzuhalten. Ohne Blitz kommt ihr daher hier in den Genuß der offiziellen Abfotografie.
Wieder draußen: Wie die Tommies jetzt noch Cricket spielen können, was sie eigentlich ständig tun, egal wo man auftaucht, bleibt uns ein Rätsel. Gesund ist das nicht, wir halten es bei knallender Sonne und über 30° nicht draußen aus. Wir flüchten deshalb schnell in den klimatisierten Burger King und warten auf einer anderen Terasse darauf, bis sich die Bedingungen für unsere kommende Freiluftbesichtigung verbessern: Stonehenge. Zwar gibt es da so eine Touri-Tour samt all-inclusive-Busfahrt-Paket, wir wollen aber nicht 40 Minuten warten und fahren auf eigene Faust nach Amesbury an, wo wir mit verdammt viel Glück direkt bei Ankunft den einzigen Bus des Tages von dort zum Steinkreis ergattern.
Mitten auf einem Feld an einer Schnellstraße ist das Tor zum touristischen Höhepunkt: ein paar obligatorische Fressbuden, Kassenhäuschen, Souvenirshops. Man bekommt wieder einen Audioguide umgehangen, was wirklich toll ist, denn so hat man die Infos einfach dann, wenn man sie braucht und muss nicht die ganze Zeit in Broschüren herumblättern. Durch eine Unterführung geht es auf die andere Seite der Straße, innerhalb des weiträumig eingezäunten Areals. Da stehen sie dann, die Steine, aufgestellt im Kreis. Man weiß erst gar nicht was man von ihnen halten soll. Einerseits sind es natürlich nur unordentlich angereihte alte Felsen, die man da sieht, aber hauptsächlich muss man einfach wahrnehmen, dass dies ein imposantes Zeugnis aus der Vorzeit ist, über das - und das macht die Sache noch interessanter - heute immer noch gerätselt wird.
Warum steht Stonehenge (wortwörtlich übersetze: "hängende Steine") eigentlich hier? Wofür oder für wen? Fragen, über die man keine genauen Antworten weiß. Ein verdächtiger Zufall ist, dass der Kreis wie eine Art Kalender funktioniert. Genau am Tag der Sommerwende fällt das Sonnenlicht durch eine bestimmte Formation genau auf den mittlerweile umgekippten Altar. Allerdings fand man tausende (Hügel)Gräber drumherum, auch per Asche wurde hochfrequentiell beerdigt. War Stonehenge eine Kultstätte, ein Tempel? Doch warum wurde das Bauwerk mehrere Male umformiert, erweitert, aber über 1500 Jahre aufgesucht? Die ersten Steine wurden lustigerweise zeitgleich, als die ersten Pyramiden gebaut wurden (grob 3000 v. Chr.) teilweise aus dem heutigen Wales mühseelig an diese Stelle gebracht, warum? Die Dinger wiegen bis zu 45 Tonnen! Was auch viele nicht wissen: Man sieht oberirdisch nur 2/3 der Felsen, 1/3 liegt unter der Erde. Mittlerweile darf man nur noch entlang der Steine gehen, der Weg ist mit einem Seil abgezäunt. Verständlich, war es doch lange Sitte, sich ein Stückchen offiziell als Souvenir abschlagen zu lassen (legal!) oder sich per Graffitti zu verewigen. Wir finden, dass man teilweise nahe genug rankommt (und werden kein "Y+F in Herzform" hinterlassen). Im Gegenteil beim Rundgehen wird man erst drauf aufmerksam, dass der Mythos aus jedem Blickwinkel anders aussieht, eben weil es nicht symmetrisch ist. Muss man so oder so gesehen haben und ist auf jeden Fall die Reise Wert.
Auf der Busrückfahrt, spricht Steve, der nette Fahrer, ein paar Restaurantempfehlungen per Mikrofon aus, bei denen man auf Wunsch einfach außerplanmäßig aussteigen kann. Obwohl er uns das "King`s Head" empfiehlt, hat es und die "olle Mühle" gegenüber angetan. Wie der Name sagt, ein Lokal mit großer Terrasse an einer Mühle am Avon. Herrlich. Mit Birnen-Cidre und Burgern philosophieren wir noch über die Steinkreise, ehe wir vorbei an einer Michael Jackson Memorial Dance Night, zurück in unser gemütliches Hostel wackeln (allerdings nicht ohne einen Moonwalk zu versuchen). Trotz der laut spielenden deutschen Schulklasse (dem Dialekt nach zu urteilen aus Hessen oder der Pfalz), ist es angenehm (kühl) im Garten, wo wir bei zwei Cidern noch in Ruhe den Tag ausbloggen.
Fazit des Tages:
Franz: Salisbury war eine positive Überraschung, ebenso so wenig hätten wir so eine Hitzewelle in UK erwartet.
Yvonne: Tausend Jahre sind ein Tag. Keine Krise auf meinem Kulturkonto in Sicht.
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Mittwoch, 1. Juli 2009
Dienstag, 30. Juni 2009
10 Bovey Tracey - Haytor (Dartmoor) - Shaftesbury
Heute heißt es wieder Wandertag, also auch Full English Breakfast. Allerdings nur ein halbes, denn wir machen wir machen auch nur eine light-Wanderung (denken wir zumindest). Die Verbindungen vom abgelegenen Bovey Tracey ins verschlafene Shaftesbury sind rar gesäht, weswegen wir schon um kurz vor 1pm den Bus nach Exeter kriegen sollten. Als Ziel haben wir uns das Haytor empfehlen lassen, einen Granitfelsen auf der ersten Berghöhe des Dartmoors. Spektakulär, und nah. Auch das Wanderpärchen, aus Wiltshire, die sich plappernd mit uns Frühstücken, sind voll des Lobes für das Dartmoor. Sie selbst sind schon im "Club der 500", das heißt: Sie haben bereits über 500 Letterboxes gefunden. Die Letterboxes sind meist Plastikdosen, die im ganzen Nationalpark (ca 50 breit) gut unter Steinen, Baumhölen, etc. versteckt sind und die ein Stempel., sowie ein Büchlein beinhaltet. Findet man eine dieser Boxen, macht man sich in sein eigenes Buch einen Stempel, und hinterlässt im Letterboxbuch sein Zeichen. Dann legt man die Dose wieder zurück. Seit Ende des 19. Jhd. haben sich tausende dieser Boxen angesammelt und Letterboxing ist ein richtiger Sport geworden.
Duncan ist zuversichtlich, dass wenn wir seinen Shortcut nehmen, wie es innerhalb von 45-60 Minuten schaffen sollten das Haytor zu erklimmen. Leider führt die Abkürzung immer entlang der engen, verwinkelten und ständig ansteigenden Landstraße, auf der richtig was los ist bei 40 miles per hour.. Außerdem erhärtet sich bei uns der Eindruck, dass das Deo 8x4 schon im Namen auf die Anzahl Fliegen hinweißt, die es gleichzeitig anzuziehen vermag. Es ist heiß, es ist schwül, es ist gefährlich und es sieht so aus wie immer. Neben dem Schweiß rinnt uns auch die Zeit davon, kurz wir sind genervt. Aber im Umkehren sind wir nicht so gut, also legen wir stattdessen noch einen Zahn zu. Trotzdem dauert es 1.20 Std. bis sich die Landschaft plötzlich verändert, das Haytor ist jetzt in Sichtweite und wir folgen etwas ab der Straße einem sehr reizvollen Weg, der entlang einer verlassenen Eisenbahnstrecke verläuft. Von hier wurde früher massenhaft Granit in die entfernten Städte transportiert und z.B zur Towerbridge in London verbaut
Wir sind jetzt wirklich im Moor, kurze trockene Bewachsung und Mattenrasen, freilaufende Schafe und jede Menge Wildponys (naja, wild, die kommen bis zu den Parkplätzen um zwischen den Autos nach Futter zu suchen..), Steinkreise und Formationen, sowie Heidekraut zeugen davon. In grauer Vorzeit gab es hier jede Menge Besiedlungen und es ist toll einfach so über eine Art Mini-Stonehenge zu stolpern. Das Haytor sieht toll aus, den ganzen Tag versuchen sich hier Kletterer und obwohl sich ganze Schulklassen hier tummeln, kann es hier einfach nie "voll" werden. Trotz unseres Sturmschritts scannen wir noch fleißig alle verdächtigen Steine auf mögliche Letterboxvorkommen, haben aber leider kein Glück. Immerhin leuchten jetzt unsere hochroten Köpfe vom Gipfel und die 360° Sicht ist wirklich atemberaubend und ganz anders als das bisher gesehene. Doch die Begeisterung dauert nur kurz, denn jetzt heißt es, nachdem wir knappe 2,5h nach oben gebraucht haben und völlig nassgeschwitzt und im Eimer sind, wie kommen wir schnell zurück? Uns bleiben genau 50 Minuten, laufen fällt also flach, finden wir auch gar nicht so schlimm... Also gibt es drei Möglichkeiten: alle mit 4 Rädern: 1. Bus - fährt nicht. 2. Trampen, klappt nicht - entweder wir sehen zu unappetitlich aus oder Pferde und Hunde blockieren die freien Mitfahrmöglichkeiten. Komischerweise kommt auch genau jetzt kein Auto mehr in unserer Richtung, obwohl wir vorher alle paar Sekunden zur Seite springen mussten. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als in der Infozentrale ein Taxi zu ordern. Nach einer Viertelstunde winkt uns eine BMW Sportlimosine per Lichthupe zu sich. Von Taxi-Schild keine Spur, von Taxometer ganz zu schweigen. Klarer Fall von Gipsy Cab. Ist uns recht, denn mit need for speed rasen wir zurück ins Oaklands, wo wir - typisch Deutsch - wie angekündigt pünktlich um 12.20. schellen, um die Koffer abzuholen.
Kurz später schunkeln wir im Doppeldecker mit Dach gen Exeter, einem wirklich netten Städtchen wie es scheint, soweit wir das beim fliegenden Wechsel Busbahnhof - Zug beurteilen können. Franz schmollt rennend, weil wir kein Foto mehr von der Kathedrale, die hier ebenfalls sehr beeindruckend sein soll, mehr machen können, ich (Y) bin leider nicht ganz auf der Höhe und quäle mich gerade eher in den Zug nach Gillingham. Wie - nie gehört? Das liegt direkt zwischen Sherbone und Flinton... Genau. Muss man nicht kennen. Wir sind mittlerweile wieder in Dorset mit Ziel Shaftesbury. Die letzte Busfahrt hierhin schüttelt uns noch mal 30 Minuten durch die Gegend. Wer mein Wallpaper gesehen hat, weiß, weshalb es uns hierhin verschlägt. "Gold Hill" ist eine Straße mit gefühlten 40% Steigung in diesem niedlichen Ort, der durch eine Bäckereiwerbung mittlerweile in ganz Britannien bekannt ist (auch wenn hier suggeriert wird es handele sich um Nordengland), weshalb einen vor dem Rathaus ein riesiges Toastbrot-Denkmal begrüßt. Gold Hill selbst ist das klassische, romantische Postkartenmotiv mit süßen Cottages und einem England aus der Zeit von "Der Doktor und das liebe Vieh" (ja, das hab ich auch noch zur Einstimmung geguckt..).
Vorher wollen wir jedoch unser Gepäck bei unserem Bed and Breakfast loswerden. Nach der Wanderung gönnen wir uns erneut ein Taxi, da wir keine Lust auf Herumirren haben und gelangen für 4,55 GBP in Windeseile zu Ivycross 1. Die Adresse liegt an einem Hauptverkehrskreisel gegenüber einer Tankstelle - Franz fühlt sich wie zu Hause. Von außen ist das Haus ganz niedlich, von innen, tja, irgendwie... kitschig. Franz stellt fest, dass sich in jedem Raum entweder eine Porzellan-Katze, etwas Rosafarbendes oder florales befindet - meist jedoch alles zusammen. Die Harry Potter-Lehrerin Dolores Umbridge war wohl hier Innenausstatterin. Die Dame des Hauses begrüßt uns mit hoher Stimme und führt uns in unser muffiges Zimmer, in dem immerhin alles hellblau und aus 100% Plastik ist, einschließlich dem Oberbett- und Kopfkissenbezügen. Ihren Flur-Kühlschrank stellt sie uns auch zur Verfügung, allerdings nur, wenn wir die Schokolade der Kinder nicht anrühren.
Kurz ausgeruht und die Wanderschuhe gelüftet, schon geht es wieder los auf Besichtigungstour. Besagter Gold Hill, die Klosteranlagen und Kirche von Außen, die tolle Aussicht auf die Landschaft von Dorset werden inspiziert und für gut befunden. Für den Klostergarten kraxeln wir auf eine Schubkarre, um einen Blick über die Mauer zu erhaschen. Das "Mitre-Inn", der erste und älteste Pub am Platze lockt mit einer Bischofsmütze im Schild und Red Hot Chilli Peppers aus den Boxen. Wir bestellen unser erstes Lamm in Minzsoße und setzen uns in den tollen Biergarten mit 60km Luftlinienaussicht. Mit ihrem Kompass versucht Yvonne herauszufinden, ob auf einem der Hügel das Glastonbury Tor zu sehen ist, doch nach einem Apple Crumble, schlurfen wir gemütlich nach Hause ins gemachte Bettchen.
Fazit des Tages:
Franz: Cornwall ist nicht England, und das ist auch gut so. Landhaus und Haytor haben den Moor-Abstecher doch noch lohnenswert gemacht und Shaftesbury ist wirklich putzig. Wir sind die England Explorer!
Yvonne:Trotz kleineren Abzügen in der B-Note zwei lohnenswerte Ziele. Nur mein Koffer nervt und manchmal geht es ein bißchen über meine Kräfte gerade, irgendwann reise ich endlich nur noch mit Handtasche, Anglerweste und Visa-Karte ;)
Duncan ist zuversichtlich, dass wenn wir seinen Shortcut nehmen, wie es innerhalb von 45-60 Minuten schaffen sollten das Haytor zu erklimmen. Leider führt die Abkürzung immer entlang der engen, verwinkelten und ständig ansteigenden Landstraße, auf der richtig was los ist bei 40 miles per hour.. Außerdem erhärtet sich bei uns der Eindruck, dass das Deo 8x4 schon im Namen auf die Anzahl Fliegen hinweißt, die es gleichzeitig anzuziehen vermag. Es ist heiß, es ist schwül, es ist gefährlich und es sieht so aus wie immer. Neben dem Schweiß rinnt uns auch die Zeit davon, kurz wir sind genervt. Aber im Umkehren sind wir nicht so gut, also legen wir stattdessen noch einen Zahn zu. Trotzdem dauert es 1.20 Std. bis sich die Landschaft plötzlich verändert, das Haytor ist jetzt in Sichtweite und wir folgen etwas ab der Straße einem sehr reizvollen Weg, der entlang einer verlassenen Eisenbahnstrecke verläuft. Von hier wurde früher massenhaft Granit in die entfernten Städte transportiert und z.B zur Towerbridge in London verbaut
Wir sind jetzt wirklich im Moor, kurze trockene Bewachsung und Mattenrasen, freilaufende Schafe und jede Menge Wildponys (naja, wild, die kommen bis zu den Parkplätzen um zwischen den Autos nach Futter zu suchen..), Steinkreise und Formationen, sowie Heidekraut zeugen davon. In grauer Vorzeit gab es hier jede Menge Besiedlungen und es ist toll einfach so über eine Art Mini-Stonehenge zu stolpern. Das Haytor sieht toll aus, den ganzen Tag versuchen sich hier Kletterer und obwohl sich ganze Schulklassen hier tummeln, kann es hier einfach nie "voll" werden. Trotz unseres Sturmschritts scannen wir noch fleißig alle verdächtigen Steine auf mögliche Letterboxvorkommen, haben aber leider kein Glück. Immerhin leuchten jetzt unsere hochroten Köpfe vom Gipfel und die 360° Sicht ist wirklich atemberaubend und ganz anders als das bisher gesehene. Doch die Begeisterung dauert nur kurz, denn jetzt heißt es, nachdem wir knappe 2,5h nach oben gebraucht haben und völlig nassgeschwitzt und im Eimer sind, wie kommen wir schnell zurück? Uns bleiben genau 50 Minuten, laufen fällt also flach, finden wir auch gar nicht so schlimm... Also gibt es drei Möglichkeiten: alle mit 4 Rädern: 1. Bus - fährt nicht. 2. Trampen, klappt nicht - entweder wir sehen zu unappetitlich aus oder Pferde und Hunde blockieren die freien Mitfahrmöglichkeiten. Komischerweise kommt auch genau jetzt kein Auto mehr in unserer Richtung, obwohl wir vorher alle paar Sekunden zur Seite springen mussten. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als in der Infozentrale ein Taxi zu ordern. Nach einer Viertelstunde winkt uns eine BMW Sportlimosine per Lichthupe zu sich. Von Taxi-Schild keine Spur, von Taxometer ganz zu schweigen. Klarer Fall von Gipsy Cab. Ist uns recht, denn mit need for speed rasen wir zurück ins Oaklands, wo wir - typisch Deutsch - wie angekündigt pünktlich um 12.20. schellen, um die Koffer abzuholen.
Kurz später schunkeln wir im Doppeldecker mit Dach gen Exeter, einem wirklich netten Städtchen wie es scheint, soweit wir das beim fliegenden Wechsel Busbahnhof - Zug beurteilen können. Franz schmollt rennend, weil wir kein Foto mehr von der Kathedrale, die hier ebenfalls sehr beeindruckend sein soll, mehr machen können, ich (Y) bin leider nicht ganz auf der Höhe und quäle mich gerade eher in den Zug nach Gillingham. Wie - nie gehört? Das liegt direkt zwischen Sherbone und Flinton... Genau. Muss man nicht kennen. Wir sind mittlerweile wieder in Dorset mit Ziel Shaftesbury. Die letzte Busfahrt hierhin schüttelt uns noch mal 30 Minuten durch die Gegend. Wer mein Wallpaper gesehen hat, weiß, weshalb es uns hierhin verschlägt. "Gold Hill" ist eine Straße mit gefühlten 40% Steigung in diesem niedlichen Ort, der durch eine Bäckereiwerbung mittlerweile in ganz Britannien bekannt ist (auch wenn hier suggeriert wird es handele sich um Nordengland), weshalb einen vor dem Rathaus ein riesiges Toastbrot-Denkmal begrüßt. Gold Hill selbst ist das klassische, romantische Postkartenmotiv mit süßen Cottages und einem England aus der Zeit von "Der Doktor und das liebe Vieh" (ja, das hab ich auch noch zur Einstimmung geguckt..).
Vorher wollen wir jedoch unser Gepäck bei unserem Bed and Breakfast loswerden. Nach der Wanderung gönnen wir uns erneut ein Taxi, da wir keine Lust auf Herumirren haben und gelangen für 4,55 GBP in Windeseile zu Ivycross 1. Die Adresse liegt an einem Hauptverkehrskreisel gegenüber einer Tankstelle - Franz fühlt sich wie zu Hause. Von außen ist das Haus ganz niedlich, von innen, tja, irgendwie... kitschig. Franz stellt fest, dass sich in jedem Raum entweder eine Porzellan-Katze, etwas Rosafarbendes oder florales befindet - meist jedoch alles zusammen. Die Harry Potter-Lehrerin Dolores Umbridge war wohl hier Innenausstatterin. Die Dame des Hauses begrüßt uns mit hoher Stimme und führt uns in unser muffiges Zimmer, in dem immerhin alles hellblau und aus 100% Plastik ist, einschließlich dem Oberbett- und Kopfkissenbezügen. Ihren Flur-Kühlschrank stellt sie uns auch zur Verfügung, allerdings nur, wenn wir die Schokolade der Kinder nicht anrühren.
Kurz ausgeruht und die Wanderschuhe gelüftet, schon geht es wieder los auf Besichtigungstour. Besagter Gold Hill, die Klosteranlagen und Kirche von Außen, die tolle Aussicht auf die Landschaft von Dorset werden inspiziert und für gut befunden. Für den Klostergarten kraxeln wir auf eine Schubkarre, um einen Blick über die Mauer zu erhaschen. Das "Mitre-Inn", der erste und älteste Pub am Platze lockt mit einer Bischofsmütze im Schild und Red Hot Chilli Peppers aus den Boxen. Wir bestellen unser erstes Lamm in Minzsoße und setzen uns in den tollen Biergarten mit 60km Luftlinienaussicht. Mit ihrem Kompass versucht Yvonne herauszufinden, ob auf einem der Hügel das Glastonbury Tor zu sehen ist, doch nach einem Apple Crumble, schlurfen wir gemütlich nach Hause ins gemachte Bettchen.
Fazit des Tages:
Franz: Cornwall ist nicht England, und das ist auch gut so. Landhaus und Haytor haben den Moor-Abstecher doch noch lohnenswert gemacht und Shaftesbury ist wirklich putzig. Wir sind die England Explorer!
Yvonne:Trotz kleineren Abzügen in der B-Note zwei lohnenswerte Ziele. Nur mein Koffer nervt und manchmal geht es ein bißchen über meine Kräfte gerade, irgendwann reise ich endlich nur noch mit Handtasche, Anglerweste und Visa-Karte ;)
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