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Dienstag, 30. Juni 2009

10 Bovey Tracey - Haytor (Dartmoor) - Shaftesbury

Heute heißt es wieder Wandertag, also auch Full English Breakfast. Allerdings nur ein halbes, denn wir machen wir machen auch nur eine light-Wanderung (denken wir zumindest). Die Verbindungen vom abgelegenen Bovey Tracey ins verschlafene Shaftesbury sind rar gesäht, weswegen wir schon um kurz vor 1pm den Bus nach Exeter kriegen sollten. Als Ziel haben wir uns das Haytor empfehlen lassen, einen Granitfelsen auf der ersten Berghöhe des Dartmoors. Spektakulär, und nah. Auch das Wanderpärchen, aus Wiltshire, die sich plappernd mit uns Frühstücken, sind voll des Lobes für das Dartmoor. Sie selbst sind schon im "Club der 500", das heißt: Sie haben bereits über 500 Letterboxes gefunden. Die Letterboxes sind meist Plastikdosen, die im ganzen Nationalpark (ca 50 breit) gut unter Steinen, Baumhölen, etc. versteckt sind und die ein Stempel., sowie ein Büchlein beinhaltet. Findet man eine dieser Boxen, macht man sich in sein eigenes Buch einen Stempel, und hinterlässt im Letterboxbuch sein Zeichen. Dann legt man die Dose wieder zurück. Seit Ende des 19. Jhd. haben sich tausende dieser Boxen angesammelt und Letterboxing ist ein richtiger Sport geworden.

Duncan ist zuversichtlich, dass wenn wir seinen Shortcut nehmen, wie es innerhalb von 45-60 Minuten schaffen sollten das Haytor zu erklimmen. Leider führt die Abkürzung immer entlang der engen, verwinkelten und ständig ansteigenden Landstraße, auf der richtig was los ist bei 40 miles per hour.. Außerdem erhärtet sich bei uns der Eindruck, dass das Deo 8x4 schon im Namen auf die Anzahl Fliegen hinweißt, die es gleichzeitig anzuziehen vermag. Es ist heiß, es ist schwül, es ist gefährlich und es sieht so aus wie immer. Neben dem Schweiß rinnt uns auch die Zeit davon, kurz wir sind genervt. Aber im Umkehren sind wir nicht so gut, also legen wir stattdessen noch einen Zahn zu. Trotzdem dauert es 1.20 Std. bis sich die Landschaft plötzlich verändert, das Haytor ist jetzt in Sichtweite und wir folgen etwas ab der Straße einem sehr reizvollen Weg, der entlang einer verlassenen Eisenbahnstrecke verläuft. Von hier wurde früher massenhaft Granit in die entfernten Städte transportiert und z.B zur Towerbridge in London verbaut

Wir sind jetzt wirklich im Moor, kurze trockene Bewachsung und Mattenrasen, freilaufende Schafe und jede Menge Wildponys (naja, wild, die kommen bis zu den Parkplätzen um zwischen den Autos nach Futter zu suchen..), Steinkreise und Formationen, sowie Heidekraut zeugen davon. In grauer Vorzeit gab es hier jede Menge Besiedlungen und es ist toll einfach so über eine Art Mini-Stonehenge zu stolpern. Das Haytor sieht toll aus, den ganzen Tag versuchen sich hier Kletterer und obwohl sich ganze Schulklassen hier tummeln, kann es hier einfach nie "voll" werden. Trotz unseres Sturmschritts scannen wir noch fleißig alle verdächtigen Steine auf mögliche Letterboxvorkommen, haben aber leider kein Glück. Immerhin leuchten jetzt unsere hochroten Köpfe vom Gipfel und die 360° Sicht ist wirklich atemberaubend und ganz anders als das bisher gesehene. Doch die Begeisterung dauert nur kurz, denn jetzt heißt es, nachdem wir knappe 2,5h nach oben gebraucht haben und völlig nassgeschwitzt und im Eimer sind, wie kommen wir schnell zurück? Uns bleiben genau 50 Minuten, laufen fällt also flach, finden wir auch gar nicht so schlimm... Also gibt es drei Möglichkeiten: alle mit 4 Rädern: 1. Bus - fährt nicht. 2. Trampen, klappt nicht - entweder wir sehen zu unappetitlich aus oder Pferde und Hunde blockieren die freien Mitfahrmöglichkeiten. Komischerweise kommt auch genau jetzt kein Auto mehr in unserer Richtung, obwohl wir vorher alle paar Sekunden zur Seite springen mussten. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als in der Infozentrale ein Taxi zu ordern. Nach einer Viertelstunde winkt uns eine BMW Sportlimosine per Lichthupe zu sich. Von Taxi-Schild keine Spur, von Taxometer ganz zu schweigen. Klarer Fall von Gipsy Cab. Ist uns recht, denn mit need for speed rasen wir zurück ins Oaklands, wo wir - typisch Deutsch - wie angekündigt pünktlich um 12.20. schellen, um die Koffer abzuholen.

Kurz später schunkeln wir im Doppeldecker mit Dach gen Exeter, einem wirklich netten Städtchen wie es scheint, soweit wir das beim fliegenden Wechsel Busbahnhof - Zug beurteilen können. Franz schmollt rennend, weil wir kein Foto mehr von der Kathedrale, die hier ebenfalls sehr beeindruckend sein soll, mehr machen können, ich (Y) bin leider nicht ganz auf der Höhe und quäle mich gerade eher in den Zug nach Gillingham. Wie - nie gehört? Das liegt direkt zwischen Sherbone und Flinton... Genau. Muss man nicht kennen. Wir sind mittlerweile wieder in Dorset mit Ziel Shaftesbury. Die letzte Busfahrt hierhin schüttelt uns noch mal 30 Minuten durch die Gegend. Wer mein Wallpaper gesehen hat, weiß, weshalb es uns hierhin verschlägt. "Gold Hill" ist eine Straße mit gefühlten 40% Steigung in diesem niedlichen Ort, der durch eine Bäckereiwerbung mittlerweile in ganz Britannien bekannt ist (auch wenn hier suggeriert wird es handele sich um Nordengland), weshalb einen vor dem Rathaus ein riesiges Toastbrot-Denkmal begrüßt. Gold Hill selbst ist das klassische, romantische Postkartenmotiv mit süßen Cottages und einem England aus der Zeit von "Der Doktor und das liebe Vieh" (ja, das hab ich auch noch zur Einstimmung geguckt..).

Vorher wollen wir jedoch unser Gepäck bei unserem Bed and Breakfast loswerden. Nach der Wanderung gönnen wir uns erneut ein Taxi, da wir keine Lust auf Herumirren haben und gelangen für 4,55 GBP in Windeseile zu Ivycross 1. Die Adresse liegt an einem Hauptverkehrskreisel gegenüber einer Tankstelle - Franz fühlt sich wie zu Hause. Von außen ist das Haus ganz niedlich, von innen, tja, irgendwie... kitschig. Franz stellt fest, dass sich in jedem Raum entweder eine Porzellan-Katze, etwas Rosafarbendes oder florales befindet - meist jedoch alles zusammen. Die Harry Potter-Lehrerin Dolores Umbridge war wohl hier Innenausstatterin. Die Dame des Hauses begrüßt uns mit hoher Stimme und führt uns in unser muffiges Zimmer, in dem immerhin alles hellblau und aus 100% Plastik ist, einschließlich dem Oberbett- und Kopfkissenbezügen. Ihren Flur-Kühlschrank stellt sie uns auch zur Verfügung, allerdings nur, wenn wir die Schokolade der Kinder nicht anrühren.

Kurz ausgeruht und die Wanderschuhe gelüftet, schon geht es wieder los auf Besichtigungstour. Besagter Gold Hill, die Klosteranlagen und Kirche von Außen, die tolle Aussicht auf die Landschaft von Dorset werden inspiziert und für gut befunden. Für den Klostergarten kraxeln wir auf eine Schubkarre, um einen Blick über die Mauer zu erhaschen. Das "Mitre-Inn", der erste und älteste Pub am Platze lockt mit einer Bischofsmütze im Schild und Red Hot Chilli Peppers aus den Boxen. Wir bestellen unser erstes Lamm in Minzsoße und setzen uns in den tollen Biergarten mit 60km Luftlinienaussicht. Mit ihrem Kompass versucht Yvonne herauszufinden, ob auf einem der Hügel das Glastonbury Tor zu sehen ist, doch nach einem Apple Crumble, schlurfen wir gemütlich nach Hause ins gemachte Bettchen.

Fazit des Tages:
Franz: Cornwall ist nicht England, und das ist auch gut so. Landhaus und Haytor haben den Moor-Abstecher doch noch lohnenswert gemacht und Shaftesbury ist wirklich putzig. Wir sind die England Explorer!
Yvonne:Trotz kleineren Abzügen in der B-Note zwei lohnenswerte Ziele. Nur mein Koffer nervt und manchmal geht es ein bißchen über meine Kräfte gerade, irgendwann reise ich endlich nur noch mit Handtasche, Anglerweste und Visa-Karte ;)

Montag, 29. Juni 2009

09 St. Ives - Trewithen - Bovey Tracey

Der Abschied aus St. Ives fällt uns sichtlich schwer. Die Gastfreundlichkeit von Gil sowie das Frühstück von Mike, die Urlaubsstimmung, der Traumstrand... und wir fahren bei Sonnenschein ins Moor?! Naja, ein wenig verfluchen wir uns schon, als wir am Bahnhof noch einmal auf unser Paradies blicken, doch wir wollen einen kompletteren Eindruck von Südengland und dazu müssen wir weiter.Punkt. Dennoch sind wir uns einig: "Who could be ever tired of St. Ives?"

Auch wenn Franz das im Vorfeld nicht so recht wahr haben wollte, zu Südengland gehört auch ein Gartenbesuch den Yvonne clevererweise, wenn auch eigentlich unabsichtlich, auf ihren Geburtstag gelegt hat. Da kann Franz nicht Nein sagen. Ausgesucht haben wir uns aus praktischen Gründen Trewithen, da dieser als einziger gut von Truro aus zu erreichen ist, obwohl Trebah, The Lost Gardens of Heligan und Trelissick Yvonnes eigentliche Favoriten waren.

Da wir heute wieder einmal ein beschränktes Zeitfenster für die Weiterfahrt nach Bovey Tracey haben, knicken wir uns die gut 40 Minuten Wartezeit auf den Bus in Truro und steigen in ein Taxi nach Trewithen. Zudem steigert Englands Hitzewelle nicht gerade die Motivation unsere prallen Koffer stundenlang durch die Gegend zu ziehen. Vor der Fahrt hatte der Fahrer circa 15 GBP als Preis angegeben, als er diesen Stand mitten auf dem Schnellweg erreicht, schaltete er einfach sein Taxometer aus. Also Abzocker gibt es auf der Insel nicht, zumindest nicht im Nachhinein (okay, nur in Land`s End, aber das ist ja auch das Land`s End...)! Auch an der Kasse des Gartens zeigen sich die Briten wieder einmal von ihrer freundlichen Seite und die Dame lässt uns unsere Koffer dort abstellen. Statt einem Ticket gibt es einen Aufkleber, und natürlich darf der Einführungsfilm nicht fehlen.

Trewithen ist eine circa dreihundert Jahre alte Anlage, vollgestopft mit exotischen Pflanzen, die vor allem in Asien, aber auch in anderen Teilen der Welt wortwörtlich von den unterschiedlichen Besitzern "gejagt" wurden (Plant hunting). Die eigendlich so geselligen Engländern werden nämlich zu Bestien, wenn es um ihr Grün und Gut geht. Da investieren Lottogewinner und Nobelpreisträger ihren ganzen Gewinn in ihren Garten, ohne dass das irgend jemand komisch findet. So hat die Besitzerin des Trewithen Gardens 25 Jahre nach der Aussaat ihrer Magnolien das Geld vom Pflanzenhändler (damals noch vom Großvater betrieben) zurückverlangt (und bekommen!), da sich bei den ersten Blüten herausstellte, dass der gewünschte Pinkton nicht ganz getroffen wurde. Nicht umsonst ist die wöchentliche Garten-Fragestunde im Radio die beliebteste und mit Abstand am meisten gehörte Sendung im Rundfunk! Um es mit Obelix zu sagen: Die spinnen, die Briten.

Dadurch, dass es zu dieser Jahreszeit überhaupt nicht blüht auf Busch und Baum, sieht es an den meisten Stellen so aus, als hätte man unter den Bäumen gefegt und einen Zaun um die normale Landschaft gemacht. Nach anderthalb Stunden finden wir enttäuscht dass wir genug gesehen haben und suchen die Bushaltestelle, die sich angeblich ein Stück die Schnellstraße (Autobahnzubringer...) herunter an einem Verkehrskreisel befindet. Während wir mit unseren Trollys die Kiesauffahrt runterholpern (Kies und Trollys vertragen sich nämlich nicht besonders gut) fühlen wir uns einzig von einer großen Herde Kühe beobachtet. Mit Angst- und Echtschweiß erreichen wir den Kreisel, aber keine Bushaltestelle in Sicht. Panik, denn weit und breit ist hier nichts außer Autobahn. In unserer Verzweiflung überlegen wir tatsächlich für einen Moment auf den Highway nach Truro zu rollen, aber viel sinnvoller erscheint uns die Flucht nach vorne, sprich weiter die Schnellstraße hoch, nach dem Motto "Irgendwann wird schon etwas kommen." Und in der Tat, eine dreiviertel Meile später als behauptet, befindet sich der gewünschte Stop nach Truro, so dass wir unsere Zugverbindung ins Dartmoor locker und rechtzeitig bekommen.

Newton Abbot heißt unser nächster Stop, das ist schon am Rand des Dartmoors, muss man nicht kennen, muss man nicht mögen. Langsam wird es wieder richtig ländlich und entsprechend hört sich der lokale Akzent ein bißchen nach Ami-Rancher mit Kartoffel im Mund an. Dumerweise liegen Bahn- und Busbahnhof in den Städten hier selten nahe beieinander und fordern uns immer ziemlich anstrengende Wege zwischen den Verbindungen ab. Auch wissen wir meistens nicht wo genau sich unsere B&B befinden oder es gibt nur eine zentrale Haltestelle, von der aus es fast immer noch ordentlich bergauf geht, bis wir endlich wieder die nächste Unterkunft erreiche. Das gilt auch in Bovey Tracey, dem "Tor zum Dartmoor" wie sich der kleine, beachtungsheischende Ort nennt. Eine handgemalte Karte der netten, hiesigen Supermarktbesucher, 1,5 Meilen Fußweg und eine Kiesauffahrt später, stehen wir vorm Oaklands, unserer bisher schicksten Bleibe. Das Haus sieht von außen ziemlich gotisch-viktorianisch, ein bißchen spooky jedenfalls aus, ist riesengroß und strunzt nur so vor Wohlstand. Jetzt bekommen wir endlich wieder richtig Bock aufs Hiersein.

Kathleen führt uns in unseren Prunkraum mit hohen Decken, der genauso aussieht, wie die Jane Austen Zimmer im Museum nur doppelt so groß. Neben dem Kamin steht der obligatorische Flatbildschirm, aus dem Fenster sieht man den Herrn des Hauses - Duncan (...) - beim Rasenmähen (mit farblich passenden Ohrschützern). Eines ihrer Kinder haben sie tatsächlich Harriet genannt. Adel verpflichtet und so gewöhnen wir es uns an, uns nur noch mit Lord und Lady anzusprechen.

Lord Franz quält ein Hüngerchen und daher geht er mit Lady Geburtstagskind in den Pub am Platze, das Dolphin Inn (heißt so wie unser Zimmer..). Hier beenden wir die Fischdiät mit dicken 10oz Sirloin Steaks. Der Verdauungsspaziergang macht deutlich, dass wir in "Bovey" sonst nichts verpassen, macht nichts, wir wollen sowieso zurück in unsere Landvilla. Vorm Schlafengehen googeln wir noch unsere morgendliche Wanderroute und essen noch eine Minz-Crisp-Oblate, ehe das Licht ausgeht.

Fazit des Tages
Yvonne: Ok, unsere Reise hatte heute ihren ersten 8-Stunden Hänger, aber da Anfang und Ende des Tages vielversprechend sind, sehen wir da einfach drüber weg. Geburtstag? Wird noch zu Hause nachgefeiert, bestimmt aber ohne Koffer in der Hand.
Franz: Eine neue Seite der Insel. Meine Lady bekommt endlich die Zimmer, die sie für ihre Romanleserei verdient. Ich bin gespannt, wie der Lord sich im Dartmoor macht...