Da wir das Hexenmuseum bereits gestern besucht haben, können wir uns heute ganz ohne Zeitdruck auf die Socken machen. Bis kurz nach 10°° lungern wir indes noch im Zimmer herum, denn erst dann macht der Bäcker auf, bei dem wir uns mit Wasser und (Belohnungs-)Muffins für unterwegs versorgen wollen. Durch die paar Läden bummeln wir auch noch und nach Yvonnes organic farm produced Honig-Lavendel ice cream made in Boscastle schleppen wir uns auf den Küstenpfad, dessen Anfänge wir ja gestern bereits gesehen haben. Insgesamt stehen 5 Miles also etwa 8 km an, ebenfalls am Vortag hatte Yvonne nämlich schon einmal die Wanderkarte besorgt.
Der erste Punkt darauf ist ein weißes Haus, oben auf dem ersten Hügelberg, irgendein Sommerhaus einer Lokalberühmtheit von frrüher welches mittlerweile von der Küstenwache genutzt wird. Es geht sehr steil die Schieferklippen nach oben, mal straight Klettern, mal langgezogenes Wadenbeißen. Und ehrlich gesagt sind wir jetzt schon am Schwächeln. Da uns aber zahlreiche wirklich betagte Herrschaften mit Gehstöcken entgegenkommen, tun wir frisch und putzmunter.
Nach und nach wird es immer grüner am Wegrand, teilweise gehen die Gräser und Sträucher bis zum Kopf und Franz` Nase fängt nicht nur an motivierter zu laufen als die Füße, auch das Gepäck macht sich so langsam bemerkbar. Aber auf eine große Plastik-Wasserflasche und eine Jacke kann schlecht verzichtet werden. Immerhin besteht berechtigte Hoffnung, dass der Ballast leichter wird, denn schon nach 2 Meilen, von denen ungefähr 1,5 nur anstiegen, sind wir beide platt und durstig. Na, das kann ja heiter werden, schließlich haben wir gerade erst zwei von insgesamt 16 Markierungen auf der Karte erreicht.
Die Aussicht von oben ist dafür einzigartig. Kein Wunder, dass sich einst Piraten und Schmuggler an dieser Küste niederließen, hinter den Klippen, Felsen verstecken sich die Örtchen klangheimlich. Ideal für einen Rum nach einer langen Seefahrt voller Gold in den Taschen.
Auch für Ornitologen ist das wohl ein Paradies, aber die meiste Zeit sollte man den Blick lieber auf dem Weg haben, denn hier geht es ganz schön felsig, uneben und teilweise auch steil abfallend zu. Die rau-grüne Küstenlandschaft entschädigt dabei jedoch für einiges, unberührt und verwunschen und trotz ein paar Wanderern alles andere als überlaufen bahnen wir uns den Weg, vorbei an wilden Bächen und Wasserfällen, ausgewaschenen Meereshöhlen, über Blumenwiesen und windige Steilhänge. ´Vor allem aber geht es immer steil bergauf und berab, ab und zu versprerren Treppen und Gatter den Weg, bei denen wir uns wirklich fragen, wie sich die Omis und Opis hier herübergehievt haben.
Eigentlich gingen wir davon aus, dass dies für die entfernt weidenden Schafsherden dient. Es gibt auch einige Durchgänge, die sich Sheeps Creep nennen bei denen nur die jungen, dünnen Schafe durchkommen, weil die dicken, tapsigen von den Klippen fallen würden... Franz lässt natürlich keine dieser Durchgänge aus und beweißt sich selbst, dass er ein sportliches, schlankes Schaf - noch immer auf Tango-City-Halbschuhen -.ist.
Plötzlich tauchen nach einer Biegung ziemlich große Fellhaufen auf, die auch ein für Schafe ungewöhnliches rotbraun haben. Na toll, unseren Weg kreuzt eine Herde Jungbullen und auch wenn Franz heute mal nicht orange anhat, sind wir nicht gerade erpicht auf einen Zusammenprall. Einer hat sich sogar ganz hinterlistig im superhohen Gebüsch versteckt. Aber wir halten uns frei nach Angela Merkel: Erst einmal warten, was die anderen tun und wenn die Gefahr vorüber ist, einfach weitermachen. Und die Kanlzer-Taktik hat Erfolg. Ein hämischen Grinsen können wir uns jedoch nicht verkneifen, als eine sechsköpfige Wandergruppe aus Deutschland unisex mit knallroten Polohemden an uns Richtung Herde vorbeischnauft.
Die Strecke wird zwar immer anspruchsvoller, aber dafür auch schöner und abwechslungsreicher, so dass man gerne am Ball bleibt. Als wir vor uns eine steinige Schlucht entdecken, haben wir den Rockey Valley erreicht, wo wir uns einen Muffin gönnen, auch oder gerade weil Halbzeit ist.Nicht nur von der Landschaft her, sondern auch von der Anstrengung fühlen wir uns wie frisch aus der Jack Wolfskin-Werbung geschlüpft, sind aber schon ein wenig stolz auf uns. Immerhin wissen wir jetzt, was die kryptische Textzeile des Werbesongs "the future is a muscle you don`t have" bedeutet.
Aber der coastal path hat noch ein paar Asse im Ärmel. Nach dem gefühlten zweihundersten Aufstieg, bleiben wir stehen und fragen uns für einen Moment, ob wir noch in England sind. In der Ferne wartet ein Traumstrand in einer verlassen Bucht, die nur schwer erreichbar und deshalb unberührt ist. Bei Flut verschwindet diese Robinson Crusoe-Kulisse völlig im Meer, aber wir haben Glück, dass gerade sowas von Ebbe ist, dass wir keine Sekunde zweifelnd und uns hinabseilen im wahrsten Sinne des Wortes.
Der Sand ist weiß, feinkörnig, das Wasser glasklar und hellgrün-blau wie in der Südsee und als wir uns umdrehen, entdecken wir tiefe Meereshöhlen in den Felswänden, in die wir ein Stück hineingehen. Total irre. Innendrin sind viele Felsen von Natur aus rosa, lila und türkis gefärbt. An einer Stelle leuchtet es sogar kupfergolden, was wohl auf ein Kupfervorkommen schließen lässt. Die anderen Farben kann ich (Y) mir allerdings nicht erklären, über sachdienliche Hinweise, die den Farbrausch erläutern, freue ich mich. Mit dem Soundtrack zu "Piraten der Karibik" im Kopf gehen wir entlang eines Wasserfalls zurück auf den Wanderpfad.
Zwei Stunden, hunderte von Treppen, Klippen und eine vermeintlich unspektakuläre Steinanlage aus der Eisenzeit später, finden wir, dass der gute Artus mal langsam um die Ecke kommen könnte. Wir sind jetzt richtig erschöpft, die Vorräte sind aufgebraucht und es ist mittlerweile vier Uhr, was bedeutet, dass wir wieder reinhauen müssen, denn der letzte Einlass ist um 5 und der letzte Bus Richtung Boscastle fährt um Viertel vor Sechs. Und eigentlich wollten wir uns auch noch kurz die uralte Kirche von der wir Euch schon im Vorfeld erzählten sowie einen Blick in den Ort selbst werfen. Und tatsächlich, nach dem nächsten Hügel taucht das Kassenhäuschen endlich auf! So müssen sich die Ritter der Tafelrunde damals auch gefühlt haben.. Schnell jeder eine Limo reingeschraubt, Klo, Shop, Einführungsfilm und ab in Merlins Höhle.
Die ist richig mystisch und unterhöhlt den Felsen, auf dem ein Teil der Castleanlage tront, völlig. Drinnen sitzt eine Frau im Dunkeln und wartet auf magische Eingebung, die Zeit haben wir nicht mehr und hetzen vorbei an nörgelnden Deutschen, die sich über die unordentlichen Steine am Ende der Treppe beschweren (...), die Treppen hoch. Da das irreführend klingt, hier ein paar Erläuterungen: Die Anlage teilt sich in zwei Hälften, die beide auf riesig hohen Felsen liegen und ca. im Erdgeschoß mit einer kleinen Hängebrücke verbunden werden. Rechts und links geht es mit ca. 45% Steigung Treppen rauf, bis in den empfundenen 15. Stock. Ist man auf der einen Seite oben angekommen, kann man dort Ruinen aus - tja, das weiß keiner so genau - etwa der Zeitspanne von 700 bis 1300 sehen.Laut Artussage war stand hier sein Elternhaus. Es ist schon spannend sich vorzustellen, dass da in schwindelnder Höhe eine Siedlung, später Burg existierte, zumal die Versorgung auch echt schwierig gewesen sein muss. Uns haut das heute alles leider nicht mehr so um, wir sehen die Ruine vor lauter Steinen und tollen Aussichten, die wir heute schon gesehen haben, nicht mehr so recht und auch der kommende Abstieg mit direkt darauf folgenden wieder Aufstieg zur zweiten Hälfte der Burg begeistert uns und unsere tonnenschweren Waden nicht sonderlich.
Der zweite Aufstieg ist so steil, dass man fast mit allen Vieren anfängt zu klettern. Schlimmer scheint jedoch noch der Abstieg zu sein, zwei Damen stehen oben und gucken sehr zweifelnd die Treppen runter, die von hier oben einfach nur mörderisch aussehen. Wir ersparen uns den Abstieg daher und geben uns auch noch den kleinen erweiterten Rundweg über die Church Road.
Die Kirche ist alt und irgendwie auch unheimlich. Das mag aber auch an der Masse von keltischen, verwitterten Grabsteinen liegen auf dem weit ausgedehnten Friedhof, über den der offizielle Pfad in die Stadt führt. Einst - so vor 200 Jahren - zerschellte hier ein Boot vor der Küste, fast alle italienischen Seefahrer an Bord konnten gerettet werden, vier schafften es nicht, darunter ein 14jähriger Junge - und hiervon zeugt noch heute ein Holzkreuz mit Rettungsring am Friedhofseingang. Die Atmosphäre ist echt merkwürdig, trotz hellstem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen. Selbst der alte Mann mit den zwei Tüten wirkt nicht ganz echt und wir beglückwünschen uns ein weiteres Mal die Jugendherberge, die noch hinter dem Friedhof an den Klippen liegt nicht genommen zu haben. Endlich in Tintagel angekommen hat so ziemlich alles zu. Auch das alte Posthaus, wie gesagt, das sieht zwar toll aus und gehört zu den in Britain meistfotografierten Sehenswürdigkeiten, aber wir haben die Schnauze langsam voll. Also Foto, Limo und ab zur Bushalte.
Klasse, wir haben den letzten Bus um gute 10 Minuten verpasst. Die Taxinummer, die wir uns im Supermarkt geben lassen, verkündet per AB, dass sich der Betreiber gerade im Urlaub befindet. Nach Hause laufen kommt nicht in Frage und nach Hitchhiken fühlen wir uns auch nicht wirklich. Also nuckeln wir weiter an unserer Cola und hoffen auf ein Wunder, welches wir in der Nähe der geschlossenen Touristeninfo erwarten. Und tatsächlich, da fährt ein Jeep vorbei, wenn auch in die falsche Richtung, den wir zuvor beim Castle gesehen haben und der ältere Besucher in die Stadt kutschierte. Wir winken wir verrückt, der Fahrer winkt erst Mal freundlich zurück, bemerkt dann aber doch den leichten Wahnsinn in unserem Gehampel und hält an. Eigentlich wollte er ja Feierabend machen und ach, der Sprit ist ja so teuer... ja, klar, also für 12 Pfund bringt er uns zurück nach Boscastle und wir sind happy. Auch über das nette Kompliment, unser Englisch sei besser als mancher Engländer.
Wir stratzen direkt in den Pub, diesmal sofort das Cobweb Inn und füllen uns mit Fisch und Cider ab. Schön ist auch, wie man sich hier die Jugendlichen um den jüngeren Nachwuchs kümmern: Der Babyhochsitz wird kurzerhand vor den Spielautomaten geschoben, die 6jährige Schwester draufgehoben und schon ist sie groß genug ihr Taschengeld zu verspielen :). Lange gucken wir uns das bunte Treiben der Dorfgesellschaft aber nicht mehr an und gehen bald müde nach Hause. Und ich (y) schlafe tatsächlich vor 11 und vor Franz ein!
Fazit des Tages Franz: Ich kann klettern UND wandern! So muss sich HaPe auf dem Jakobsweg gefühlt haben. Heute fühle ich mich wie Kerkeling light, aber auch wie ein König.
Fazit des Tages Yvonne: "the future is a muscle you don´t have" singt es in der Jack Wolfskin Werbung und heute in der Endlosschleife in meinem Kopf..Ätsch, hab ich aber wohl und Franz, mit dem man echt alles machen kann, auch.
PS: Jetzt wollen wir in einer Flut von Kommentaren hören, wie stolz Ihr auf uns seid!

Halloihr zwei englandbesucher , bin wieder da da sieht ja toll aus da hatte ich ja auch nicht gedacht das england (suden) so schon ist .
AntwortenLöschenfotos sind toll .weiter so mit dem deutsch lesen geht es jetz besser . also macht weiter so und viel spass
M+M
Sieht echt sehr schön aus. Neid! Da würde ich mich auch gerne mal auf ein Fahrrad schwingen und durch die Landschaft radeln. :)
AntwortenLöschenhe hallöchen ihr zwei, ja ihr machts richtig gut! Yvonne dus hast ne richtige sch:one tour 'ausgestippelt' und schöne beine hat der kleine (neffe) hihi,, @;o) ciaociao (die andere M+M)
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