Das Haus ist bereits in heller Aufregung wegen des jetzt startenden Festivals, was wir auch an den meilenweiten Staus und Autocorso bemerken, als wir die Einfahrt die Meile zur Bushalte runterrollen. Jedes dritte Auto meint uns johlend mitteilen zu müssen, zum Festival ginge es in die andere Richtung. So verlockend die Vorstellung von Rock`n`Roll gerade auch ist, wir haben ein festes Ziel vor Augen (und außerdem keine Pässe bekommen...). Vor der "top of the high street" füllen wir unsere Flaschen noch en passsant mit Heilwasser aus der white spring, Mann gönnt sich ja sonst nichts, und warten auf den 29er nach Taunton, Davids Heimatstadt, by the way. An dieser Stelle viele Grüße an die Joseph Lenné Straße!
Dass es eventuelle Verzögerungen wegen des Festivalverkehrs geben könnte, hatten wir ja einkalkuliert, nicht umsonst sind wir um sieben aufgestanden. Allerdings läuft der Verkehr überraschend flüssig und wir warten, warten und warten, doch unser Bus will einfach nicht kommen.Nach knapp einer Stunde bekommen wir Panik, setzen Xaver als Navigator online standby (der hat jetzt ja auch einen neuen Kompass) und streiten über mögliche Alternativrouten, denn es ist wichtig, die wenigen Anschlüsse nicht zu verpassen. Franz ruft sogar bei der Hotline an, doch gerade in dem Moment, als wir beide ratlos rumfluchten, biegt der Bus endlich um die Ecke, nach 74 Minuten Verspätung.
Der Schaffner zeichnet sich durch exquisite Unfreundlichkeit aus und sein Slang beim Mobiltelefonieren während er mit 60 Meilen (90kmh!) durch die einspurigen Landstraßen heizt klingt wie anglo-polnisch. Der Stau zum Festival dürfte mittlerweile auch so 20-30 Meilen betragen, doch die Leute auf der Gegenfahrbahn steigen aus ihren Autos heraus, feiern, rauchen und haben Spaß. Einen Vorteil hat die Raserei allerdings: Wir bekommen den Zug nach Exeter noch, der hatte nämlich auch Verspätung. Daher können wir Taunton genau drei Minuten lang genießen (Sorry, David!). Jetzt bleibt uns nur noch eine Verbindungs-Möglichkeit, die über Plymouth, womit unsere Tagesroute wiefolgt aussieht:
Glastonbury-Taunton (Bus), Taunton-Plymouth (Zug), Plymouth-Bodmin (Zug), Bodmin-Wadebridge (Bus), Wadebridge-Boscastle (Bus+Zahnfleisch)
England Southwest auf einer größeren Karte anzeigen
Natürlich sieht das aus wie ein Umweg, aber das ist der Schnellste, wenn nicht sogar der einzig mögliche Weg ins kleine Boscastle
Im Zug lehnen wir uns entspannt zurück und genießen die Fahrt, denn die Strecke hat es in sich. Die Landschaften sind abwechslungsreich und plötzlich sehen wir das Wasser der Exe-Mündung und Lyme Bay nur gut zwei Meter neben dem Gleis, während auf der anderen Seite Felsenklippen nur Centimeter weit vom Fenster abstehen. Das strahlend schöne Wetter toppt das Erlebnis nur noch. Vor Plymouth wachsen sogar Palmen! Zwei Minuten vorher fuhren wir noch durch einen gigantischen Nadelwald. Yvonne verfolgt die Bahnroute begeistert auf der Karte im Reiseführer und wir freuen uns über diese sehr komfortable Art des Sightseeings. Wofür hat man auch einen Britrail-Pass, der uns an acht Tagen innerhalb eines Monats Flatrate-Fahren durch ganz England sichert?
Entspannt und happy steigen wir in Plymouth aus. Wir haben noch massig Zeit und wackeln erst einmal zu Pumpkin, quasi dem cornish Pendant zu Starbucks, und versorgen uns mit Latte, Mocha, Wasser, Coke und Muffins. Ein sonniges Plätzchen haben wir auch schon ausgesucht und perfekt ist unser Picknick auf dem Plymouth Bahnsteig. Herrlich. Die Großstadt mit Südsee-Feeling müssen wir jedoch auch schon wieder verlassen, um mit dem Zug nach Bodmin weiterzureisen, wo ein Bus Richtung Wadebridge auf uns wartet. Auch diese Fahrt ist im wahrsten Sinne des Wortes großes Kino, ebenso wie die Tatsache, wie man in England die Zugtür öffnet, um den Bahnhof zu betreten. Franz steht nämlich im Gang ganz vorne und da auf der Insel die 10 Gebote des Schlangestehens nicht gebrochen werden, müssen wir auch ran. Ich(F) brauche eine Weile, um aus den Schildern schlau zu werden und als ich die Anleitung schließlich gefunden habe, schaue ich noch ein zweites und drittes Mal auf die Anweisung und muss grinsen. Man muss nämlich das Fenster komplett hinunterziehen, um von aussen am Türknopf zu drehen. Antike Umstände im sonst doch hypermodernen Zug der Firma First.
Bodmin soll eigentlich gar kein so kleiner Ort sein und ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt der Region. All das spiegelt der Bahnhof, die Parkway Railstation, allerdings nicht wieder. Die Fahrt endet nämlich im absoluten nirgendwo, drumherum ist nichts, die Stadt Bodmin selbst ist sicher 5km weit entfernt und "eigentlich ziemlich hässlich für cornische Verhältnisse" wie ein 83jährige geschwätziger Mann zu Yvonne meint, der ebenfalls mit ausstieg (Zitat "Ich langweile mich hier immer so beim Warten, da quatsche ich gerne jemanden an.."). Der Bus kommt nämlich nur einmal die Stunde. Nicht umsonst scharren drei Taxis auf dem Parkplatz herum und warten darauf, bis jemand schwach wird. Doch wir bleiben, ebenso wie einige andere Passagiere eisern und warten die 40 Minuten gemeinsam auf der Bank an der angeschlossenen Bushalte. Während Franz den Reiseführer wälzt, Yvonne die Gegend erkundet und mit dem alten Mann redet, beginnen die zwei anderen Reisenden, eine ältere Dame, die in Oxford, arbeitet aber aus Überzeugung in Cornwall lebt, sowie ein sympathischer Gebrauchtwagenhändler, der aussieht wie Bodmins Tom Hanks, der in Tintagel einen Peugot abholt. Auch zwischen den beiden zuletzt genannten gibt es nur ein 'Thema: Die Schönheit Cornwalls, die alle Teile Englands in den Schatten stellt. Und das Wetter. Nicht umsonst reist die Lady dreimal im Monat - mindestens - aus Oxford an die Küste, trotz der weiten Reise. Irritiert ist Franz allerdings erst, als sie während des Gesprächs mit Tom Hanks meint, "do you mind, if I knit?", als ob sie ihren Nachbarn fragen würde, ob es okay wäre sich eine Zigarette anzuzünden. "Stört es sie, wenn ich stricke?". "Nein, natürlich nicht", meinte Tom, der aber sichtbar die gleichen Fragezeichen auf der Stirn geschrieben hatte, wie ich. Und so strickte die Ma`m munter fort, während sie weiter ihre Region in Lobeshymnen preist. "We`re a nice waiting company, aren`t we?", lautet ihr Fazit zwischendurch.
Der Bus kommt überpünktlich, sogar eher zu früh. Statt First war nun Western Greyhound unser "Operator" - wir erinnern uns, UK ist privatisiert - und es düste ein Fahrer an, der vielleicht gestern erst seinen Führerschein im fünfmal älteren Bus gemacht hat. Wie unser Reiseführer schon durchblicken ließ, ist Cornwall für seine steilen und oft einspurigen Straßen entlang der Klippen bekannt. Was es genau heißt, wenn sich ein gut durchheizender Bus mit einem Traktor durch einen Trampelpfad zwängen will, erlebten wir nun hautnah auf unserer Achterbahnfahrt, die uns unter anderem durch Camelford und über die Slaughterbridge führte, ebenfalls zwei wichtige Orte der Arthus-Saga. Obwohl der nette Busfahrer so früh losfährt und 1a durchflitzt, kommen wir vier Minuten zu spät am letzten Zwischenstop an. Doch als beide Busse sich im Stadtinneren passieren, kurbelt unser Fahrer sein Fenster runter und winkt dem anderen "Greyhound" zu. "Hey Kumpel, da sind noch ein Paar Leute, die wollen den Anschluss nach Boscastle nehmen." Der andere grummelt: "Wo sind sie denn?" "Na, hier in meinem Bus." "Na gut", grummel, grummel, "ich halte da vorne links". Also Koffer und die Hüften geschwungen und ab zur finalen Etappe.
Schien sich unser Greenhorn zuvor noch James Dean als Vorbild genommen zu haben, hat sein erfahrener Kollege samt Schnäuzer offensichtlich schon vor Jahren seine Fahrerseele dem Straßenteufel verschrieben. Die Locals nehmen es gelassen und begrüßen und verabschieden den Fahrzeugführer mit einem süffigen "Cheers". Wir jedoch müssten uns Mut antrinken, schließlich sitzen wir auf unserem Zweier, halten uns an allen Stangen fest und fühlen uns - ungelogen - wie auf ner Wildwasserbahn. Es geht Berge im zweistelligen Steigungsbereich rauf und runter, Haarnadelkurven dominieren das Geschehen und Tempolimits werden heroisch ignoriert. Die Straßen, werden noch enger, dabei dachten wir "einspurig" sei das höchste der Gefühle. Nach über einer halben Stunde Phantasialand kommen wir jedoch heil in Boscastle an und klopfen uns nicht zum ersten Mal auf die Schulter, dass wir nicht mit dem eigenen Auto die Reise angetreten sind. Obwohl wir um 8 uhr morgens aus dem Landhaus in Glastonbury hinausstolperten, zwei Züge, Verspätungen, drei Busse nehmen musste und erst um 16.00 mit Reisen fertig waren, geht es uns überraschend gut. Die Reise hat sogar Spaß gemacht und wir haben noch genug Energie um noch was zu unternehmen.
Boscastle ist wirklich noch putziger, als wir es uns vorgestellt hatten. Durch die Bucht fließt ein Bach, es gibt wieder einige Eso-Shops, allerdings weniger ernst gemeint, als in Glstonbury. Die Cottages sind bunt, klein und alt oder sehen zumindest so aus. Von der großen Flut im Jahr 2004 zeugen nur noch Fotos, die in fast allen Gebäuden aushängen. Das Idyll hat im unteren Teil nur ein Dutzend Häuschen. Unsere Bleibe ist das Bridge House, das tagsüber gleichzeitig als Tea Room fungiert. Unsere Gastherrin Tracy überreicht uns die Schlüssel und wir können unsere Sachen im Zimmer ablegen. Unser "Summersleaze" ist sehr niedlich, hatt ein kuscheliges Doppelbett, sogar einen kleinen Fernseher oben, liegt mitten im unteren Hafenviertel und ist sehr gemütlich. Eine gute Wahl. Highlight des Zimmers ist jedoch das Bad, welches sich im ehemaligen Wandschrank versteckt.Übrigens hat man hier keinen Handyempfang, sollte das jemanden interessieren...
Hier im Ort sind es mittlerwile locker schwüle 27 Grad bei wolkenloser Hitze, so dass Yvonne sich ins Sommerkleid schwingt, Franz in die Flips flopt und wir direkt weiterwatscheln. Schon vom Bus aus hatten wir das "Museum Of Witchcraft", das Hexenmuseum entdeckt, welches überhaupt Ausgangspunkt für unsere Reise war, da Yvonne vor Ewigkeiten (Anmerkung Y: vor Ewigkeiten fällt mit dem Zeitpunkt als ich Franz kennenlernte zusammen, was dann gut 3,5 Jahre wären, die ihm anscheinend vorkommen wie eine Ewigkeit... ;)) die Location per Zufall beim Surfen fand und wir jetzt 2009 unsere Reise um diese Location herum strickten. 6PM machte das Museum dicht, trotz des absolut anti-englischen Wetters entschieden wir uns die restlichen 1,5h bis zur Schließung im kleinen Museum zu verbringen, welches sogar einen Parkplatz für Besen vor der Tür anbietet (wahrscheinlich genauso sicher, wie mit dem Bus).Thematisch sortiert, wurden dort Exponate rund um die Hexerei ausgestellt. Verfolgung und Kitsch, Gesänge, Riten, Utensilien, bekannte Hexen und Hexer, von Kräuter- bis zur schwarzen Magie wird alles angerissen, sogar Uri Geller hat einen seiner verbogenen Löffel gestiftet., aber magisches Feeling mag nicht so richtig aufkommen, eher das Gefühl hier mal abstauben und lüften zu müssen. Ein Mini-Mitbringsel für Bea muss natürlich trotzdem sein ;)
Nachdem wir an der Kasse Richtung Exit vorbeigeschlendert sind, an der wohl die Leiterin saß, die aussah als gehöre sie zur Sammlung, erkunden wir weiter den Ort, sind jedoch schneller fertig als zunächst vermutet. Am anderen Ende "der Straße" stoßen wir auf einen lokalen Gemüsehändler, der zwar geschlossen hat, aber seine Reste noch draußen samt Preisliste stehen ließ. Wer also noch Erbeeren oder Tomaten - alle aus eigener, lokaler, oberorganic BioBio- Produktion haben wollte, kann sich einfach bedienen und wurde gebeten, die paar Pence in ein Glas zu packen. A propros local food: Da Franz wieder einmal großen Hunger hatte, und eh alle Geschäfte zu, suchten wir ein Lokal im Dorf. In Cornwall legt man nämlich großen Wert auf organic food und lokale Küche. Rasch fanden wir ein Restaurant samt Terasse und schielten auf die Fischkarte, die einen frischen Fang aus der Nähe versprach. Yvonne hatte sich im Vorfeld schon den Hummer vorgenommen und Franz entschied sich für alles, sprich die gemischte Fischplatte, also Muscheln, Scampis, Lachs, zwei drei unbekannte und unübersetzbare Meeressorten, allerdings als stew, also als Eintopf in Tomatesauce gepackt. Köstlich, kann man dazu nur sagen. Der Fisch war so frisch, dass er nicht nur auf der Zunge, sondern bereits auf der Gabel zerfloss.
Zur Verdauung schlendern wir weiter Richtung harbour, da wir wissen wollten, wo sich denn nun das Meer hinter den Klippen versteckt. Doch "Huch": Auf einmal herrscht Flut und all die Boote, die eben noch im trockenen Sand lagen, schwimmen nun plötzlich im glasklar blauen Wasser und die Stufe, auf der Franz eben noch saß, ist komplett verschwunden. Ein paar Meter weiter finden wir unzählige Netze und Kisten, als grade ein kleines Fischerbötchen um die Ecke biegt. So frisch war der Fisch, also. Vom Meer über den Hafen zu unseren Tellern waren es vielleicht nur 500 Meter. Einstimmig beschließen wir, am nächsten Tag wieder Fisch zu essen.
Hinter den Felsen der Bucht sehen wir zum ersten Mal das offene Meer. Zugang nach Boscastle vom Wasser auers beschreibt nämlich sowas wie eine natürliche S-Kurve, was es natürlich zu einem perfekten Piraten oder Schmugglernest macht. Ebenso begeistert sind wir auch von den Schieferklippen, auf die man klettern kann. Mit offenem Mund genießen wir diese spektakuläre Aussicht und wechseln sogar noch einmal die Klippe, um freie Bahn für den Sonnenuntergang zu haben. Das Klettern macht riesig Spaß und jeder erkämpfte Meter bietet eine noch tollere Aussicht. Hier muss einmal bemerkt werden, dass ich (Y) mit meinen super-duper-lifetimenn-Reinhold Messner approved-ten Meindl-Wanderschuhen unterwegs bin, während Franz sich, nicht minder glücklich, mit ein paar Tango-City-Herrenschuhen aus dem Ausverkauf (muss ja gut aussehen beim Wandern und sind gut abwischbar) durch die Gegend schlägt. Doch irgendwann ist auch für uns das Tagessoll erfüllt.
Wir gönnen uns noch im urigen Pub "the Cobweb Inn" cornisches Ale (Sharp´s Doom Bar) und den cornisch Rattler, einen von einer gelben Schlange mit Sonnenbrille vertrauensvoll promoteten Cider, bevor wir ins Bett wanken. Cheers!
Fazit des Tages Franz: a) Ich kann klettern! b) Das "Reisen" läuft überraschend smooth und ist bisher noch überhaupt nicht strapaziös c) Nach dem bitteren Griff ins Klo in Bath gab ich dem Ale eine zweite Chance. Das ist wirklich britische Pisse, abgestanden, null Schaum, aber frisch gezapft (eigentlich ein Widerspruch in sich: Abgestandene Brühe aus dem Hahn...) sogar ganz "okay", auch wenn ich dann Lager, Cider und Co bevorzuge.
Fazit des Tages Yvonne: Franz ist fit wie ein Tango-Schuh! Bei dem angeranzten Hexenplunder sind mir Twilight, Potter & Avalon-Kitsch doch lieber. A Cider a day keeps the doctor away. Es gibt soviele tolle Orte zu entdecken, schön, dass man trotz gründlichster Vorbereitung und Internet immer noch positiv überrascht wird.

jullie hebben'n boel te vertellen & a lots of photos! Allemachtig prachtig! Ik ga langzaamaan eraan twijfelen om de Kanaal Eilanden aan te doen en om te switchen naar jullie reis! Heel goed uitgekiend Yvonne. I'Raise my hat off... al is't i/h duits iets lastiger te volgen. Maar je krijgt er gewoon zin in, echt wel! Greetz, Tènteke (der Cellie reist met jullie mee en meldt zich nog, hij zit nu op minivoetbalkamp @;O) 27.06
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