Zwar hat die Gute hier nie gewohnt, sondern ein Stück weiter die Straße hoch, aber die Museumsführerin bemerkt ganz richtig, dass die Reihenhäuser hier sowieso alle gleich aussehen.. Komischerweise bin ich (Y) die ganze Zeit nah am Wasser gebaut, während wir in der gar nicht umfangreichen Ausstellung versuchen jeden Zentimeter umzudrehen, weiß auch nicht warum, naja, Jane Austen ist 41 geworden, als alte Jungfer (aber freiwillig!) gestorben, aber ich glaub daran lag`s nicht. Wohl eher an den hochkitschigen Verfilmungen, die im Unterbewußtsein abspulten. Der frei und sehr schnell gehaltene Vortrag, der teilweise an die Ansagerin von Loriot erinnerte, und der informative Film waren den Besuch trotzdem wert. Besonders interessant: Jane Austen hat zeitlebens nie unter ihrem Namen veröffentlicht! Das erste Buch wurde mit "from a lady" versehen und die nächsten mit "from the author of xxx".
Nach einem kleinen Schlenker zum Queens Square 13, wo Jane tatsächlich eine zeitlang wohnte, geht`s zum zweiten Highlight für Franz: dem Museum of Costume (Mode) und den im selben Gebäude befindlichen Assembly Rooms, in denen zur Regency Ära Bälle abgehalten wurden, die Damen Gesellschaft tratschten und die Herren Zigarren rauchten, Karten oder Pool spielten. Auch hier trieb sich natürlich Madame Austen rum. Perfekte Location für eine erste tea time, dachten wir uns und krümelten mit Bath buns, scones with clotted cream & jam, Cranberry Bio-Saft und English breakfast blend im prunkvollen Salon herum.
Irgendwann ist aber auch der größte Bun verdrückt und Franz bekommt seine Lektion in Sachen Kleider machen Leute. Dank Audioguide sind selbst Handschuhe aus dem 16.Jhd. spannender als ohne Infos, verblüffend nur, dass Franz sich vor allem für die schwarze Alltags-Matronen-Tracht von Queen Viktoria bezirzen lässt, die umgerechnet wohl heute Größe 58 trug (Einwand F: Das Kleid war zugeknöpft und hey: Die Frau trug 40 Jahre lang jeden Tag nur schwarz als sie Witwe wurde, quasi der Ur-Royal-Gruftie...). Nach der indischen Handtasche mit Käferflügel-Deko war dann aber Schluss.
Obs an der Inspiration lag, dass Yvonne sich danach unbedingt ein Teil aus der Biba (!) Kollektion von Topshop zulegen musste? Franz Mode-Geduldsfaden war jedenfalls danach gerissen, also auf in den nächsten Pub (an Marlies: the lion and the lamb...), das Wetter ist leicht bewölkt, aber warm genug für den Biergarten. Beim Bestellen an der Theke bekam Franz mit, wie ein junger Gast sein Wechselgeld in den einarmigen Banditen steckte, die Lämpchen leuchteten und der Typ bestimmt 60 Pfund aus der Kiste kratzt (in Münzen!). Fast so skurril wie gestern im Belushi`s, als zwei Briten jeweils um die nächste Runde armdrückten.
Um "Bath" zu vollenden, muss man natürlich selbst einmal gebadet haben in dem alten Römer-Plantschbecken, also schlurften wir zum Bath Spa, allerdings in der Post-Millennium-Variante. Unsere Füße waren uns sehr dankbar dafür. Wir wählten anderthalb Stunden im Cross Bath, wo das gut 47 Grad warme Quellwasser auf angeblich 37 Grad Pooltemperatur gebracht wird. Das tollste am open air Becken, mit den original Mauern aus der Römerzeit, war jedoch: Es gehörte uns beiden ganz allein (den gelangweilten Bademeister mal ausgenommen, Pardon: Sitten-Wau-Wau)!
Danach noch ein paar Ründchen durch die Stadt und in den nächsten Pub, wo gerade das U21-EM Spiel Deutschland gegen England angepfiffen wird. Das Essen schmeckt, obwohl Deutschland nach 4 Minuten in Führung geht, ein Umstand der sich laut mosernd von ein paar Dauer-alkoholisierten Bathern in unsere Richtung bemerkbar macht. Vor Abpfiff trollen wir uns daher nach Hause über die 2 fields. Und während wir euch diese Zeilen auf der übrigens total miesen Tastatur des Archos Netbooks tippen, lauschen wir passionierten Christianisierungsgesprächen zweier Briten im Ale-Philosophenrausch.
Fazit des Tages
Franz: a) Man kann auch anonym posthum zum Bestseller-Autor werden b) Nach dem Tuben-Vodka am Eindhover Flughafen lernte ich heut: Es gibt für alles einen Pasty. Fundstück des Tages. Full English Pasty: Ein komplett englisches Frühstück griffig verpackt, nur Original mit Blätterteig-Rand zum Festhalten, wie damals. c) Ich wollte schon immer mal den Römer in mir raushängen lassen.
Yvonne: Da schlummert noch ganz viel Taschentuchpotential in mir, dass ich in ausgiebigen Austen-Sessions zu Hause ergründen werde. Außerdem werd ich mir mal ne Staffel "upstairs, downstairs" (auf Deutsch "das Haus am Eaton Place") genehmigen. Und um mit der jungen Jane Austen aus Northanger Abbey zu sprechen: "Who can ever be tired of Bath?"

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