Sonntag, 21. Juni 2009

01 Essen - Eindhoven - Bristol - Bath

06.40, jetzt schon der Wecker? Bis halb drei haben wir 15 kilo für 15 Tage gepackt. Peter steht tapfer kurz nach sieben vor der Tür. Müde, aber komfortabel, geht es nach Eindhoven, die ersten 110 km unserer Reise. (Danke Peter!) Flughafen und Krematorium bitte Ausfahrt 29, alles klar, 5 Minuten später stehen wir in der übersichtlichen Abflughalle. Und da wartet schon wie befürchtet die kleine 2-Propellermaschine und verdeckt nur knapp den ebenfalls in Frage kommenden 10-Personen Klepper.



Aber Ryanair hat ein Einsehen und pünktlich um 10.40 Ortszeit landet die Boing 737 nach kurzem Schönwetterflug in Bristol. Also nur 5 Minuten Zeitreise bis auf die Insel.
Müde und Linksverkehr verträgt sich so mittel. An der Temple Meads Station fordert unsere erste Bahnfahrt höchste Aufmerksamkeit. Nach ein paar Scherzen auf unsere Kosten, sehr netten Hilfestellungen, gewürzt von unseren ersten "Lovelys" sitzen wir im überhitzten Zug, die ersten überhitzten Cornish Pastys, Cornwalls kulinarische Antwort auf die Calzone, im Gepäck. Der charmant-genervte Zugschaffner quittiert die Verspätung (der Zugführer ist noch nicht da) mit den Worten: "deswegen sehne ich mich nach British-Railways zurück." Uns gegenüber sitzen Italiener, die einfach alles "molto bello" finden und rechts ein paar Japaner, denen eine - selbstverständlich halbnackte - Engländerin erklärt, dass Edinburgh viel netter sei, wenngleich immer zu kalt. Ein Problem, dass wir nicht haben, das Wetter ist schön, genau richtig.



Nur 11 Minuten dauert die Fahrt nach Bath, dem einzigen Ort des Vereinigten Königreichs, der über heiße Quellen verfügt und daher schon seit lange v.Chr. als Kult- und Badestätte geschätzt wurde: erst von der Urbevölkerung, dann durch die Römer, die hier ein erstes veritables Spa eröffneten, im Mittelalter durch Karl V., der alle Kranken bis zum Hals eintauchen ließ, später durch das viktorianische und elisabethanische Chi-Chi Bürgertum, einschließlich Mr. Darcy &Co, und schließlich morgen von uns - im brandneuen Spa-Center von Bath. Aber Alter vor Schönheit, heute standen erst mal ein paar Besichtigungen an. Ausgangspunkt hierfür ist die YHA Bath, also die Jugendherberge, die wir erst einmal mit dem Bus suchen mussten.



Obwohl wir eine Haltestelle zu spät ausgestiegen sind, fanden wir unser Quartier easy. Eine begrünte Auffahrt hoch und da, fast auf dem höchsten Hügel der Stadt gelegen, präsentierte sich unsere Villa Kunterbunt, stilistisch ein Crossover aus griechischen und römischen Schmuckelementen, in einem alten Bürgerhaus. Einfaches Zimmer, das Bad eine behindertengerechte Xaver-Studiheim-Deluxe-Version, aber das Gesamtpaket macht richtig was her. Getoppt wird dieser Eindruck sogar noch von dem kleinen Trampelpfad Richtung Stadtzentrum, "over two fields" wild durch die Hügellandschaft mit einmaligem Blick über die Dächer der Stadt.



Da kommt schon so richtig Jane Austen Feeling auf, findet sogar Franz. Im Tal gehts über den Avon, an Hausbooten, Schleusen und einem Live-Cricket Match vorbei mitten rein ins Herz von Bath. Nicht umsonst steht die ganze Stadt unter dem Schutz der Unesco, Bath ist ein Abziehbild jeder romantischen England-Vorstellung, wie sie von Tele 5 genährt wird. Uralte Bäume, Hogsmeat-taugliche Sweets-Shops, ein Tea-Room jagt den nächsten und alles in einem warmen Sandsteinton, der zusammen mit der einheitlichen Bauweise den Eindruck vermittelt, alles sei hier gleichzeitig entstanden. Franz sagt: "Bath ist ocker". Stimmt, mit Zuckerguß und clotted cream obendrauf...



Als erstes nehmen wir uns ganz klassisch das alte römische Bad vor, denn was wäre Bath ohne sein Bath? Die Therme entpuppte sich bei den Ausgrabungen als riesige Kombi-Anlage aus Tempel und Heilbad, von dessen Mineralwasser wir brunnenfrisch nach dem interssanten Rundgang eine Kostprobe im kitschtriefenden Pump Room nahmen. Empfehlung der Kellnerin: "Nehmen sie erstmal eins..."




Eine kalorienreiche Karamell-Shortbread-Pause später geht`s in die Bath Abbey, eine helle,freundliche Kathedrale in der jeder Boden- und Wandstein gleichzeitig zum posthum Gedenken dient. Die erste ihrer Art für uns und obwohl wir wissen, dass uns in Wells, Exeter und Salisbury noch großes erwartet was sakrale Bauweise angeht, sind wir schon recht angetan.
Nach soviel Kultur war es erst einmal Zeit für einen Pub, das "Schwein und die Fidel" sprach uns spontan an und entpuppte sich als gemütliche Perry-Quelle, dem typischen Birnen-Cidre von hier. Eine schwarze Katze schnurrte wohlig am Nachbartisch, Franz in einem roten, abgenudelten Windsor-Sessel - ein Idyll mit Cricket-Liveschalte.



Verwirrt setzten wir unsere Besichtigung fort und wankten mit 5% weiter Richtung Royal Crescent / Circus. Eine - im wahrsten Sinne des Wortes - "runde" Erfahrung.
´

Jetzt schlägt die Müdigkeit endgültig zu und durch eine Art Villa Hügel Park von Bath streben wir ins vorher schon registrierte "Belushi`s", wo uns super Burger, mieses Organic Ale (war aber von hier und hatte nen süßen Hasen im Wappen) und Cocktails für 2 GBP erwarteten. (an dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die Bar im YHA sich anschließend auch noch um uns kümmerte und wir daher heute auf Kommas, Groß- und Kleinschreibung und "und" Schreibung pfeifen.) Nachdem Brasilien gegen Italien 3:0 vorne liegt, beschließen wir den Heimweg über die Pulteney Bridge (oder so ähnlich, eine dieser alten bebauten Brücken, wie die Ponte Veccio in Florenz, gibt es nur viermal auf der Welt) anzutreten. Unser Bus kommt sofort und macht sich bei 22% Steigung bei uns beliebt.



Fazit des Tages, Franz: Bin sehr erfreut, dass die Jane Austen-Frauenversteher-Hochburg auch mir noch besser als gedacht gefällt und überrascht, dass man im Tea-Room-Schmuckkästchen des Landes schneller dem Cider verfällt, als kalkuliert. Bin gespannt, wie das weitergeht.

Yvonne: Dauergrinsen macht zwar Falten, aber glücklich. In der Bath-Puppenstube gingen mir heute das Herz und der Magen auf. Hoffentlich übersteht Franz Darcys Begeisterung auch den morgigen Tag mit Jane Austen Haus und Mode Museum mit Korsettanprobe... Es ist immer wunderbar das Gefühl zu haben 100% das Richtige gemacht zu haben.

2 Kommentare:

  1. Have a nice journey and take good care off yourself!! bey, bey Mama.

    AntwortenLöschen
  2. Es hat nicht geregnet? I am well shocked :).

    Auch wen ihr so schön schreibt, ich will Fotos! Ihr beschönigt bestimmt alles nur, England ist grau und nass =).

    AntwortenLöschen